50 Eu-abgeordnete fordern ethik-untersuchung gegen infantino
Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino erreicht während der laufenden Weltmeisterschaft einen neuen Höhepunkt. Fünfzig Mitglieder des Europäischen Parlaments haben sich in einem Brief für eine Untersuchung der Ethikbeschwerde gegen den Schweizer eingesetzt. Der Vorwurf: Infantino habe mit seiner Verbindung zu Donald Trump die politische Neutralität der FIFA massiv verletzt.
Der trump-friedenspreis als zündstoff
Der Brief, über den The Athletic und Politico berichteten, richtet sich direkt an Infantino sowie an Mitglieder des FIFA-Councils. Unterzeichnet haben ihn Abgeordnete aus Irland, Deutschland, Spanien, Frankreich, Belgien, Italien, Luxemburg, Dänemark, der Slowakei und den Niederlanden.
Im Zentrum steht die erstmalige Vergabe des FIFA-Friedenpreises an Trump im Dezember 2025 – ohne Rücksprache mit dem Council, dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf angehört. Die Abgeordneten fordern eine umfassende Untersuchung dieses Vorgangs.
„Die WM soll die Welt vereinen“, sagte der Europaabgeordnete Barry Andrews demnach. „Wenn der FIFA-Präsident einen Präsidenten gegenüber einem anderen bevorzugt, schadet das dem Ansehen der FIFA und des gesamten Turniers.“

Fairsquare sieht „ernsthaftes problem“ für infantino
Die Menschenrechtsorganisation FairSquare hatte kurz nach der Preisverleihung offiziell Beschwerde eingelegt. Ihr Direktor Nicholas McGeehan bezeichnete den Brief der Abgeordneten gegenüber dem SID als „äußerst bedeutenden politischen Eingriff“.
„Es besteht kaum ein Zweifel, dass er gegen die FIFA-Regularien verstoßen hat“, sagte McGeehan. „Dass politische Entscheidungsträger sein Handeln nun genauer unter die Lupe nehmen, stellt ein ernsthaftes Problem für Infantino und die FIFA dar.“
Bisher hatte nur der norwegische Verband öffentlich Unterstützung für die Untersuchung signalisiert. Die FIFA-Ethikkommission bestätigte den Eingang der Beschwerde, gibt aber laut McGeehan keine Auskunft über den Stand: „Es wirkte wie eine Daumen-hoch-Emoji-Antwort“, so seine Einschätzung vor WM-Beginn.

Artikel 15 und die frage der neutralität
FairSquare beruft sich auf Artikel 15 der FIFA-Ethikregularien. Darin heißt es, dass alle Funktionäre gegenüber Behörden und politischen Gruppierungen „politisch neutral bleiben“ müssen. Eine Kopie des Briefes ging auch an FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und die Untersuchungskammer des Weltverbandes.
Die Beschwerde biete der FIFA „die Gelegenheit, ihr Bekenntnis zu politischer Neutralität, Transparenz und Verantwortlichkeit unter Beweis zu stellen“, heißt es in dem Schreiben. Ob Infantino diesen Test besteht, bleibt offen. Die WM läuft, aber das Spiel um seine Zukunft hat gerade erst begonnen.
