49Ers draft-strategie: shanahan packt aus – und sorgt für stirnrunzeln

San Francisco – Kyle Shanahan, der Kopf hinter den Draft-Entscheidungen der 49ers, hat in einem Gespräch mit The Rich Eisen Show Einblicke in die oft rätselhafte Strategie des Teams gewährt. Und diese Einblicke lassen nicht nur die Fans, sondern auch Experten über die langfristige Tragfähigkeit des Modells nachdenken. Denn während die 49ers seit Jahren zu den erfolgreichsten Teams der NFL zählen, wächst die Kritik an den Drafts.

Der ungewöhnliche prozess beginnt lange vor dem draft

Shanahan beschrieb einen Prozess, der weit vor dem eigentlichen Draft-Wochenende beginnt. Seine Positionscoaches erstellen detaillierte Highlight-Tapes, die er anschließend sichtet, um sich einen Überblick über rund 200 Spieler zu verschaffen. „Wenn mir das Highlight-Tape nicht gefällt, schaue ich mir danach nichts mehr an“, erklärte er. Dieser rigorose Ansatz zeigt, dass die 49ers sich auf ihre eigene Bewertung verlassen, unabhängig davon, was der allgemeine Konsens sagt.

Ein Beispiel dafür ist die Auswahl von De'Zhaun Stribling an Position 33. Obwohl Stribling vor dem Draft eher als spätere Wahl im zweiten Runde gehandelt wurde, stieg seine interne Bewertung im Laufe des Prozesses immer weiter. „Je mehr wir ihn gesehen haben, desto mehr mochten wir ihn. Sogar mehr als einige Spieler, die am Ende der ersten Runde gehen sollten“, so Shanahan. Die Entscheidung, ihn früh zu draften, basierte auf dieser Überzeugung, auch wenn es ein gewisses Risiko barg.

Ein weiteres Beispiel ist der Running Back Kaelon Black, der überraschend früh an Position 90 gepickt wurde. Shanahan betonte, dass Black nicht zum NFL Combine eingeladen worden war. „Was heißt das also? Vielleicht heißt das, dass er in der sechsten Runde gedraftet wird. Aber dann schaust du ihn dir genauer an und denkst dir: Mann, ich glaube, das ist eigentlich ein Running Back für die dritte Runde.“

Marktmeinung gegen bauchgefühl – ein balanceakt

Marktmeinung gegen bauchgefühl – ein balanceakt

Die 49ers scheinen bereit zu sein, gegen den Strom zu schwimmen. Shanahan erzählte von Situationen, in denen Teams zögerten und sich so ihre Wunschspieler von der Liste spielen ließen. „Und dann geht er zwei Picks vor dir vom Board und du denkst dir: Mann, warum haben wir versucht, schlauer zu sein als alle anderen?“ Diese Aussage verdeutlicht die Philosophie des Teams: lieber früh greifen und auf das eigene Urteil vertrauen, als den Markt zu beobachten und möglicherweise zu spät zu sein.

Doch genau hier liegt auch das Risiko. Während andere Teams versuchen, den Markt auszunutzen und Value zu maximieren, setzen die 49ers konsequent auf ihre interne Überzeugung. Ob dieser Ansatz langfristig aufgeht, bleibt abzuwarten. Der Draft 2026 wird zeigen, ob die 49ers mit ihrer Strategie richtig liegen oder ob der vermeintliche „Bauchgefühl“-Ansatz letztendlich zum Problem wird. Der Druck auf Shanahan und General Manager John Lynch steigt, denn die Erfolge der Vergangenheit verbergen eine wachsende Frage: Wie lange kann dieses Modell noch funktionieren, wenn die Draft-Klassen immer wieder enttäuschen?

Die kommenden Saisons werden zeigen, ob die 49ers mit ihrer unorthodoxen Herangehensweise weiterhin erfolgreich sein können oder ob ein Umdenken unausweichlich ist. Der nächste Draft wird die Antwort liefern.