45 Jahre nach quini-freiendrama: movistar-serie lacht über den fehlkauf
Am 25. März 1981 klickten in Genf die Handschellen – und in Barcelona atmete eine ganze Fußballnation auf. 45 Jahre später macht Movistar+ genau aus diesem Tag den Starttermin für „Por cien millones“, eine schwarze Komödie über das spektakulärste Entführungsversuch der spanischen Sportgeschichte: den 100-Millionen-Kidnap von Superstürmer Quini.
Warum ausgerechnet jetzt ein lachen über leid erlaubt ist
Regisseur Nacho García Velilla lüftet das Geheimnis: „Die Komödie ist Tragödie plus Zeit – und diese Zeit ist jetzt endgültig reif.“ Drehbuchautor Velilla, selbst aus Zaragoza wie die drei Täter, hat sich sechs Monaten durch Polizeiakten, Tonbänder und Familieninterviews gearbeitet. Dabei stieß er auf Szenen, die sich kein Drehbuchschreber ausdenken würde: Die Entführer hatten kein Automatikauto, also musste der maskierte Quini ihnen Gang einlegen und Kupplung kommen lehren – während er selbst im Kofferraum lag.
Die Serie wirft keinen rücksichtslosen Blick auf das Verbrechen, sondern auf die dahinterliegende Absurdität einer Epoche. Spanien 1981: 30-Prozent-Inflation, ETA- und GRAPO-Entführungen im Monatstakt, ein Land, das noch unter der Schockstarre der Franco-Nachwirkung taumelt. Die drei Mechaniker Víctor, Fernando und José Eduardo waren arbeitslos, verzweifelt und – wie sich herausstellte – völlig unfähig, ihre 100 Millionen Peseten überhaupt einzutreiben. „Sie waren arm, nicht kriminell“, sagt Velilla. „Das macht das Ganze so bitterkomisch.“

So wurde der pichichi zum therapeuten seiner kidnapper
Was die Serie erzählt, klingt wie Fiktion, ist aber dokumentiert: Quini beruhigte seine Peiniger, als sie Angst bekamen, erklärte ihnen, dass ihr Zuhälter-Image nur ein Filmcliché sei, und verzichtete später auf Schmerzensgeld. Selbst auf der Anklagebank baten die Ehefrauen der Täter um Autogramme – und Quini unterschrieb. „Das ist keine Stockholm-Syndrom-Fabel“, betont Darsteller Agustín Otón, der sich monatelang mit Quinis Sprachmelodie und Hüftschwung schlug. „Das ist reine Empathie, ein Typ, der Fußball und Leben aus einem Guss verstand.“
Der FC Barcelona sah das weniger poetisch. Ohne seinen 27-Tore-Mann holte das Team nur einen Punkt aus vier Spielen und verlor die Meisterschaft. Der Klub verklagte später sogar – erfolglos – auf Schadenersatz. „Heute würde man ein Spiel abblasen, wenn Messi fehlt“, sagt Velilla. „Damals lief der Ball weiter, als wäre nichts gewesen.“
Die größte Hürde war nicht die Recherche, sondern die Erlaubnis. Velilla fuhr persönlich nach Gijón, um Quinis vier Kindern das Projekt zu erklären. „Wir wollten keine Helden- oder Heiligenlegende, sondern einen Menschen, der auch mal lachte, während er im Kofferraum lag.“ Die Söhne stimmten zu – unter einer Bedingung: Der Humor durfe nie über dem Respekt schweben. Am Ende der Vorführung sagte ein Sohn: „Papa hätte sich kaputtgelacht.“
Morgen startet die sechsteilige Serie – und mit ihr die Frage, ob Spanien bereit ist, seine düstersten Momente mit einem Grinsen zu verabschieden. Die Bilanz jedenfalls ist eindeutig: 24 Tage Entführung, 100 Millionen Forderung, null Erpressergeschick – und eine Lektion darin, dass manche Helden nicht nur Tore schießen, sondern auch die Stimme senken, wenn die Angst am lautesten schreit. Die Quini-Saga endete mit einem Happy End, das kein Drehbuchschreiber jemals besser erfinden konnte.
