40-Jährer dzeko zieht mit schalke-charisma in die wm-wüste
Edin Dzeko spuckt noch keine Knete. Mit 40 Jahren, 132 Länderspielen und einem Körper, der sich anhört wie ein altes Dreirad, das noch immer Höchstgeschwindigkeit fährt, hat der Schalke-Stürmer den Balkan-Kader nominiert – und damit Bosnien an der WM-Endrunde in USA, Mexiko und Kanada angeführt.
Sergej barbarez setzt auf deutschen turbo
Nationaltrainer Sergej Barbarez war der erste der 48 Coaches, der seinen 26-Mann-Kasten offenlegte. Sein Plan: Eine Mischung aus Erfahrung und Zweitliga-Power. Neben Dzeko holte er gleich sechs Profis aus Deutschlands obersten beiden Spielklassen. Nikola Vasilj vom FC St. Pauli bekommt den Job zwischen den Pfosten, Ermedin Demirovic (VfB Stuttgart) und Haris Tabakovic (Borussia Mönchengladbach) sorgen für Offensiv-Druck. Aus dem Unterhaus rücken zusätzlich Nikola Katic, Dzekos Klubkollege bei den Königsblauen, sowie Dzenis Burnic vom Karlsruher SC nach.
Die Botschaft ist klar: Wer in deutschen Stadien seine Knochen hinhält, darf auch im kanadischen Sommer ran. Die Gruppenphase bringt Bosnien am 12. Juni das Auftaktspiel gegen Co-Gastgeber Kanada, gefolgt von Schweiz (18. Juni) und Katar (24. Juni). Zwei Plätze reichen fürs Achtelfinale, und Barbarez weiß: Seine Truppe hat nichts zu verlieren, nur das Trikot voller Adler zu tragen.

Die zahl, die alle sprachlos macht
40 Jahre – das ist kein Tippfehler. Dzeko wurde 1986 geboren, lief 2014 in Brasilien bereits bei Bosniens erster WM-Premiere auf und könnte nun in Nordamerika seine letzte große Walz starten. Sein Geheimnis? Kein Alkohol, keine Nachtschichten, dafür tägliche Einheiten mit dem Schalker Athletik-Team. „Er schwitzt, als wäre er 24“, sagte Co-Trainer Manuel Baum kürzlich. Die Zahlen sprechen mit: 15 Saisontreffer in der 2. Bundesliga, 3 Assists, unzählige Gegner, die ihn nach 80 Minuten immer noch nicht eingeholt haben.
Für Bosnien ist Dzeko mehr als Kapitän. Er ist Identifikationsfigur in einem Land, das sich selbst mit dem Begriff „Fußballromantik“ arrangiert hat. Als Kind floh er vor den Kriegswirren, als Teenager schoss er Sarajevo zum Meister, als Mann schrieb er in Manchester und Rom Geschichte. Jetzt, mit grauen Schläfen und einem Blick, der sagt „ich habe keine Zeit“, will er den USA zeigen, dass Talent keine Altersgrenze kennt.

Barbarez’ plan: so früh wie möglich jubeln
Die Vorrunde ist kein Spaziergang, aber auch kein Berg. Kanada spielt vor heimischer Kulisse, die Schweiz gilt als Turnier-Draufgänger, Katar ist der amtierende Asienmeister. Barbarez will mit einer 4-2-3-1-Formation starten, Vasilj im Tor, Katic neben Sead Kolasinac in der Innenverteidigung, Dzeko ganz vorne als fixe Leitplanke. Die Schnelligkeit holen Demirovic und Tabakovic von den Außenpositionen. Burnic soll im defensiven Mittelfeld die Zweikämpfe klären, damit der Captain sich auf das konzentrieren kann, was er am besten kann: Tore.
Bosnien hat nur ein einziges Mal die WM-Gruppe überstanden – 2014, als Dzeko noch 28 war. Jetzt, zwölf Jahre später, könnte der Kreis schließen. Das erste Training in Zenica ist am 20. Mai, am 2. Juni geht’s nach Charlotte. Wer dann noch zweifelt, ob ein 40-Jährer mithalten kann, sollte sich die Sprints auf dem Schalker Trainingsplatz ansehen. Dzeko lässt seine Verteidiger stehen – und die Zeit mit ihm.
Die WM beginnt am 11. Juni. Für Bosnien beginnt sie einen Tag später. Und für Edin Dzeko beginnt sie vielleicht mit dem letzten großen Kapitel einer Karriere, die längst Legende ist. Wenn er in Kanada einnetzt, werden nicht nur bosnische Fans jubeln. Auch in Gelsenkirchen wissen sie: Mit 40 Jahren kann man noch immer Geschichte schreiben – man muss nur laufen, bis die Lunge brennt und der Ball zappelt.
