29:29 In leipzig: semper verlängert bis 2030, aber der abstieg droht

Ein Punkt, der wie ein Sieg für Eisenach und wie eine Niederlage für Leipzig schmeckt. Nach 60 Minuten mit Herzklopfen und zwei verworfenen Siebenmetern in letzter Sekunde steht es 29:29. Die 5.412 Fans in der Arena am Cottaweg atmen durch – doch die Luft wird dünner für den SC DHfK. Zehn Jahre wartet Leipzig auf einen Pflichtsieg gegen den ThSV, und die Wartezeit verlängert sich um mindestes ein weiteres Jahr.

Semper bleibt – im zweifel auch in der zweiten liga

Die Nachricht vom Tag steht fest, ehe der erste Ball rollt: Franz Semper unterschreibt. Dann unterschreibt er noch mal. Weil der Nationalspieler seinen Altvertrag bis 2028 bereits im Herbst verlängert hatte, klingt die Verlängerung bis 2030 nach Formsache. Der Haken: Ein möglicher Gang in die 2. Bundesliga war im alten Papier nicht geregelt. Jetzt ist er es – samt Option für den Spieler, im Falle des Falles zu gehen. Leipzig sichert sich das Gesicht der Mannschaft, Semper sichert sich eine Ausstiegsklausel. Beide Seiten wissen, wofür der neue Kontrakt steht: Rettung oder Rückzug.

Im Spiel selbst ist Semper sofort präsent. Beim 4:4 trifft er dreimal, lenkt Angriffe, stört Eisenachs Kreisläufer. Doch je länger die Partie dauert, desto deutlicher wird: Leipzig kann sich nicht absetzen. Lucas Krzikalla, dessen Vertrag nicht verlängert wird, markiert das 10:8. Die Leipziger werfen ihre vier Siebenmeter in der ersten Hälfte von vier verschiedenen Leuten – eine taktische Roulette, die 75 Prozent Rendite bringt und Trainer Frank Carstens fast die Stirn falten lässt.

Krise links, krise rechts – und ein punkt in der mitte

Die personelle Schieflage ist dramatisch. Nach 21 Minuten fällt Hinriksson mit Knieproblemen aus, kehrt zwar zurück, aber die Botschaft ist klar: Leipzig spielt seit Wochen ohne linken Rückraum. Gauer (20) rückt von der Kreismitte nach links, lernt live im Erstliga-Betrieb. Eisenach muss seinerseits auf Solak verzichten, kommt aber trotzdem. Philipp Meyer erzielt das 22:22, Piroch sieht Rot, Ebner hält den Siebenmeter – und plötzlich liegt die Antwort auf der Hand: Wer in dieser Lage einen Punkt mitnimmt, hat Grund zur Zufriedenheit.

Der Tabellenplatz bleibt dennoch 16., der Abstiegsrang. Leipzig hat 21:29 Punkte, die schlechteste Bilanz der Liga. Die restlichen fünf Spiele? Dreimal Auswärts, zweimal daheim. Die Rechnung ist simpel: Bei drei Niederlagen ist die Zweite Liga so gut wie sicher. Bei zwei schon sehr wahrscheinlich. Der Punkt gegen Eisenach rettet keine Saison, er verlängert nur das Drama.

Am Ende steht Semper mit durchgeweichtem Trikot vor der Kamera und sagt: „Wir nehmen mit, was geht.“ Die Verlängerung bis 2030 unterschrieb er mit dem Wissen, dass 2025 alles anders werden kann. Leipzig feiert sich für einen 29:29, als hätte es den Klassenerhalt besiegelt. Die Realität kommt am nächsten Sonntag in Berlin – und sie wird nicht 29:29 enden.