29 Trainer, ein kreuzbandriss und der mann, der tabakovic rettete
Haris Tabakovic schaffte elf der 27 Gladbacher Bundesliga-Tore – und das, obwohl er seine Karriere vor vier Jahren fast beendet hatte. Ein Kreuzbandriss, kein Vertrag, keine Angebote. Dann rief Alexander Kiene an.
Die zweite liga war tabakovic zuerst zu klein
Kiene, damals Chefcoach von Austria Lustenau, erinnert sich an lange Telefonate: „Haris war skeptisch. Er wollte eigentlich höher, nicht runter.“ Die österreichische zweite Liga galt als robust, als Rumpelkiste. Tabakovic zögerte, bis ihm klar wurde: Spielen oder aufhören. Er unterschrieb. Was folgte, war kein Comeback, sondern eine Umwandlung.
Kiene setzte auf drei Hebel: Kopf, Körper, Spielweise. Ein Bewusstseintrainer half dem Stürmer, Angst vor erneutem Knie-Absturz abzulegen. Athletik-Einheiten nach dem Mannschaftstraining bauten Muskelschutz auf. Lustenau spielte hoch, schnell, flankenreich – ein Service für einen Neunen, der endlich wieder Laufwege sah. Die Bilanz: 46 Tore in 48 Pflichtspielen, elf Assists. Scouts, die vorher nicht mal seine Agenturnummer hatten, buchten Hotelzimmer in Vorarlberg.

Von der unterschrift bis zur nationalmannschaft in 24 monaten
Tabakovic nahm die Zahlen mit wie Visitenkarten. Über Austria Wien ging’s zu Hertha BSC, wo er mit 22 Treffern Torschützenkönig der 2. Bundesliga wurde. Hoffenheim zahlte die Ablöse, Gladbach leiht ihn aktuell aus – und Bosnien ruft ihn ins Länderspielcamp. Alles innerhalb von zwei Jahren. Kiene lacht: „Er hat sich Fußball-Videos auf YouTube mit Business-Büchern verschränkt. Das ist kein Hobbysportler, das ist ein CEO mit Torriecher.“
Der Coach selbst arbeitet heute als TV-Experte, hat Zeit, seine Projekte zu sortieren. Unter anderem förderte er Deniz Undav nach dessen Ausmusterung in Bremen. Kiene bleibt bescheiden: „Man erkennt Spieler, die bereit sind, sich selbst neu zu erfinden. Haris hat es gemacht, Deniz auch. Ich bin nur derjenige, der fragt: ‚Wenn du morgen besser sein willst, was tust du heute Abend?‘“
Tabakovic schickt ihm nach jedem Tor eine Sprachnachricht. Klein, aber mit Signal: Die Karriere, die ein Kreuzband und 26 Jahre zu beenden drohten, lebt dank einer Entscheidung in der zweiten Liga – und eines Trainers, der wusste, dass Zeit manchmal schneller vergeht als eine Abwehrkette.
