12 Millionen für lippe: so verwandelt der tbv lemgo jeden pass in bare münze

Ein Handballwurf, der mehr einlöst als zwei Punkte. Ein Sieg, der Hotels füllt, Dachdecker beschäftigt und Gastronomie-Kassen klingeln lässt. Der TBV Lemgo Lippe spielt nicht nur um die Champions-League-Tickets, sondern treibt ganze Landstriche an.

Die Saison ist noch in vollem Gange, doch die Rechnung steht schon: 12,3 Millionen Euro wirft der Klub pro Spielzeit in die Region, summiert das unabhängige Institut SLC Management. Keine Schätzung, sondern eine konservative Abrechnung, betont Geschäftsführer Jörg Zereike. Die echte Zahl dürfte höher liegen, weil die Arena in dieser Runde öfter ausverkauft ist als je zuvor.

Der wirtschaftsmotor trägt trikot

2,9 Millionen Euro stecken allein in Aufträgen an Lippische Firmen. Sicherheitsdienste aus Detmold, Caterer aus Oerlinghausen, IT-Freelancer aus Lage – sie alle profitieren, wenn Steffen Tegeler und sein Marketingteam die Heimspiel-Termine freigeben. „Wir wussten, dass der TBV emotional verankert ist. Dass er aber fast drei Millionen Auftragsvolumen mobilisiert, hat selbst uns überrascht“, sagt Tegeler.

Den Rest häufen Fans und Gegner an: 1,5 Millionen Euro geben sie pro Jahr in Restaurants, Bars und Hotels. Die Phoenix Contact Arena ist nur der Kicker. Danach zieht es Besucher in die Altstadt, wo Brauhäuser bis spätnachts Tische nachstellen. Das Institut rechnet zusätzliche Übernachtungen aus Hannover, Bielefeld und sogar Hamburg mit ein – weil Lemgo für viele Zuschauer zum Ziel, nicht zur Durchreise wird.

176 Millionen mal fällt das wort lemgo

176 Millionen mal fällt das wort lemgo

Medial wirkt der Club wie ein Dauerwerbesender. 176,5 Millionen Kontakte verzeichnen TV-Sendezeit, Social-Media-Klicks, Printzitate und Online-Berichte. Daraus ergibt sich ein Werbewert von 3,5 Millionen Euro – Geld, das die Stadt sich spart, wenn etwa tagesschau.de, Sky und Instagram die Skyline des Lippe-Umlandes ins Wohnzimmer beamen. „Jeder Erwähnung lässt Lemgo sympathisch und lebenswert wirken“, sagt Volkswirt Christian Röder von SLC.

230 Jobs sind direkt oder indirekt an den TBV gekoppelt. Darunter: Eventpersonal, Physiotherapeuten, Statistiker, Werkstattmitarbeiter, die die Teambusse warten, und selbst die Reinigungsfirma, die nach Mitternacht Bierbänke desinfiziert. Das entspricht einer kleinen mittelständischen Fabrik – nur dass hier kein Schichtplan, sondern der Spielplan die Arbeitszeit vorgibt.

Pokalglanz könnte die zahlen sprengen

Pokalglanz könnte die zahlen sprengen

Am 6. und 7. April steigt das Final Four im DHB-Pokal in Hamburg. Gelänge dem TBV der Titelgewinn, würde die Marketingabteilung neue Partner an Bord holen, Trikots ausverkaufen und Sponsoren verlängern. Die Folge: höhere Medienpräsenz, mehr Gästefans, neue TV-Termine. Die 12-Millionen-Marke wäre Geschichte, 15 Millionen läge im Bereich des Möglichen.

Doch selbst ohne Pokal trog die Studie ein klares Ergebnis: Handball ist in Lippe längst kein Nebenjob mehr. Er ist Industrie, Identität und Image in einem. Wer also am Samstag in der Arena steht und denkt, er bezahle nur Eintritt für 60 Minuten Sport, irrt. Er kauft Arbeitsplätze, Straßenbeleuchtung und Gastronomie-Umsatz mit – und das alles für den Preis einer Stehplatzticket.