Spielmanns karriere-crash: vom double-held zum drittliga-kicker

Marvin Spielmann, einst gefeiert als Held des Schweizer Cupfinales 2020, befindet sich heute in einer überraschenden Situation: Er kickt in der Drittliga des Aargauer Fussballverbands für den FC Aarburg. Ein steiler Aufstieg, gefolgt von einem ebenso steilen Fall – Spielmann blickt im Podcast „Storytime – Hinter den Kulissen des Fussballs“ auf seine bewegte Laufbahn zurück.

Ein moment der ekstase: der cupfinal-sieg

Der 30-jährige Spielmann erinnert sich noch genau an den 30. August 2020, den Tag, an dem er mit dem BSC Young Boys das Double gewann. In der 89. Minute erzielte er als Joker das entscheidende 2:1 gegen den FC Basel – ein Moment, den er als den Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet. „In dem Moment war ich auf Wolke sieben“, gestand er im Podcast.

Der Wechsel zu den Young Boys war bereits damals ein großer Schritt. Für den talentierten Flügelspieler flossen kolportierte zwei Millionen Euro Ablöse von Bern nach Thun. „Ich hatte eine riesige Vorfreude“, so Spielmann. Doch die Zeit in Bern verlief nicht wie erhofft. Verletzungen und Schwierigkeiten, sich nachhaltig durchzusetzen, bremsten seine Entwicklung. „Rückblickend hätte ich mir einen ehrlicheren Umgang gewünscht“, so Spielmann andeutend, dass nicht alle Versprechen bezüglich seiner Einsatzchancen gehalten wurden.

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Nach einem kurzen Intermezzo beim FC Lausanne-Sport, wo er im Abstiegskampf kämpfte, folgte der nächste Anlauf beim Neuchâtel Xamax FCS. Auch hier gelang es Spielmann nicht, seinen Stammplatz zu erobern. „Ich war auch etwas stur“, räumte er im Podcast ein. Die private Trennung von seiner Partnerin erschwerte die Situation zusätzlich und trug zu seinem persönlichen Tiefpunkt bei.

Die Rückkehr zu den Wurzeln: Drittliga-Fußball in Aarburg

Heute findet Spielmann beim FC Aarburg, seinem Jugendverein, eine neue Perspektive. „Es ist mir schon wichtig, dass der Fussball ein Teil meines Lebens bleibt“, erklärte er. Auch wenn es „nur“ Drittliga-Fußball ist, genießt er die Zeit auf dem Platz und versucht, sich in Form zu halten. Dass er nun im Alter von 30 Jahren in einer der niedrigsten Spielklassen der Schweiz kickt, mag überraschen, aber für Spielmann ist es vorerst der richtige Schritt.

Die Faszination für den Profifußball hat er jedoch noch lange nicht verloren. Er verfolgt die Spiele der Super League aufmerksam, fiebert mit seinem ehemaligen Verein FC Thun mit, der überraschend um den Aufstieg in die höchste Spielklasse kämpft, und wünscht sich für den FC Aarau, seinen Jugendverein, den Aufstieg in die Super League. „Er gehört, was die Fans anbelangt, einfach in die Super League“, so Spielmann.

Marvin Spielmanns Karriere mag von Höhen und Tiefen geprägt sein, doch seine Leidenschaft für den Fußball ist ungebrochen. Er hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen und schaut nach vorne – auch wenn seine Reise ihn nun in eine unerwartete Richtung geführt hat. Die Vergangenheit mag schmerzhaft gewesen sein, aber sie hat ihn zu dem reifen und reflektierten Sportler gemacht, der er heute ist.