Spanische waterballerinnen schreiben geschichte: doppelter einzug in die euro-cup-seminale

Zwei spanische Teams, zwei Dramen, ein Ergebnis: EPlus Catalunya und Zodiac Atlètic Barceloneta haben sich am Samstagabend zum ersten Mal überhaupt für das Final Four des Euro-Cups der Frauen qualifiziert. Sie schufen das spanische Waterloo in Europa mit 12:11 gegen Glyfada und 13:12 gegen Polar Bears – und bewiesen, dass der spanische Waterball nicht nur Männern gehört.

Der katalanische hexenschuss

Barcelona. Die Piscina de Sant Jordi kochte. Emmerson Houghton stand mit Wasser bis zum Hals und mit der Last der Geschichte auf den Schultern. Neun Meter zwanzig sind keine Entfernung, sondern eine Ewigkeit, wenn die Uhr bei 9:9 steht und der Griechen-Anhang die Lungen aus dem Hals brüllt. Die Neuseeländerin nahm den Ball, atmete zweimal tief durch und versenkte. Dann noch einmal. Dazwischen ein Treffer von Marie Falvey – 12:10, 1:30 Minuten vor Ende. Die Schlusssirene jagte den Verein in die dritte Dimension: erstmals ein Euro-Cap-Halbfinalist.

Coach Javier Belmonte riss die Arme hoch, als wolle er die Tribüne umarmen. „Wir haben nicht gespielt, wir haben überlebt“, sagte er später mit heiserer Stimme. Die Statistik: 6 Tore Houghton, 11 gewonnene Balleroberungen, 3 Blocks – und ein Ticket nach Budapest.

Barceloneta tanzt auf dem vulkan

Barceloneta tanzt auf dem vulkan

Am anderen Ende der Stadt lag das Team von Chus Martín schon auf dem OP-Tisch. 2:5-Führung, dann ein 7:1-Run der Holländerinnen – 9:6, 23. Minute. Die niederländischen Fans trommelten schon den Marsch ins Halbfinale. Was folgte, war kein Spiel, sondern ein K.o.-Satz im Tie-Break. Clara Díaz, 19 Jahre, erst letzten Sommer aus der Junioren-Nationalmannschaft hochgezogen, erzielte das 12:13, 13 Sekunden vor dem Ende. 1:5-Schlusssprint – Barceloneta dreht das Blatt wie eine Trickkarte.

Paula Leitón, Olympia-Gold 2020, schwamm nach Abpfiff Tränen im Wasser. „Wir waren schon tot, aber wir haben uns selbst wiederbelebt“, sagte die Kreisläuferin. Ihr Treffer zum 2:5 war nur der Auftakt zu einem Abend, der in den Annalen des Klubs stehen wird.

Italien und ungarn komplettieren das feld

Italien und ungarn komplettieren das feld

Bereits fix waren BVSC Manna Budapest und Pallanuoto Trieste. Die Ungarinnen ließen Padova keine Chance (13:8), Trieste schickte Ethnikos Piräus nach Hause (10:8). Das bedeutet: zwei spanische, zwei italienische und ein ungarischer Klub – ein europäisches Patchwork, das Ende April in Budapest um den Titel kämpft.

Die Aussichten? Catalunya trifft auf Trieste, Barceloneta muss gegen Budapest ran. Beide Spiele finden am 27. und 28. April statt, das Finale am 29. – ein verlängertes Wochenende, das spanischen Waterball vom Rand in die Mitte rücken könnte.

Die Zahlen sprechen für sich: 23 Jahre nach der letzten spanischen Finalteilnahne bei Männern haben nun die Frauen die Scharte auswetzen. Und sie tun es mit demselben Selbstverständnis, mit dem sie vorher nur zugeschaut haben: laut, unverschämt, siegessicher.

Madrid wird haben, was es wollte: ein europäisches Spitzenteam. Es hat gleich zwei bekommen – und die sind gerade erst warm.