Spanien feiert fußball-expat-boom: island wird zum neuen fußball-mekka?
Reykjavík bebt – nicht nur wegen der isländischen Seele, sondern auch wegen eines ungewöhnlichen Phänomens: Immer mehr spanische Fußballerinnen suchen ihr Glück in der Ferne und finden es in Island. Während die spanische Nationalmannschaft am Dienstag (21:00 Uhr) das letzte Qualifikationsspiel für die WM 2027 gegen Island bestreitet, ist das Land bereits zu einem beliebten Ziel für Talente aus dem Süden geworden.
Die wachsende beliebtheit des isländischen fußballs
Es ist kein Zufall, dass in der Besta-deild kvenna, der höchsten isländischen Fußballliga, eine zunehmende Zahl spanischer Spielerinnen zu finden ist. Laut Carlos García und Nacho Poveda von ÁFRAM Football, einer Agentur, die seit über einem Jahrzehnt zwischen Spanien und Island vermittelt, ist die Nachfrage nach spanischen Spielerinnen in Island stetig gestiegen. „Wir sehen heute Kader mit zahlreichen Spielerinnen aus verschiedenen Kategorien. Das ist kein Zufall – die Vereine haben den positiven Einfluss unserer Spielerinnen sowohl auf als auch neben dem Spielfeld erkannt.“
Ein Paradebeispiel dafür ist Carla Martínez, die bereits ihre zweite Saison in Island verbringt. Nach Stationen in Spanien, den USA und Italien wechselte sie zum KFR und findet dort nicht nur sportliche, sondern auch persönliche Erfüllung. „Das Leben als Fußballerin in Island geht über das reine Spiel hinaus“, erzählt sie. „Wir bekommen hier nicht nur ein gutes Gehalt, sondern auch Arbeit und Unterkunft. Ich wohne in einer Hütte und arbeite als Technikerin im Komplex. Ein Tag reinige ich, ein Tag male ich, ein Tag repariere ich etwas – es hält mich auf den Beinen und macht Spaß.“

Island: mehr als nur ein fußballort
Trotz des hohen Lebenshaltungskosten – Island gehört zu den teuersten Ländern der Welt – locken die einzigartigen Lebensbedingungen viele spanische Spielerinnen an. „Die Menschen sind sehr entspannt und freundlich, und die Kommunikation läuft meist auf Englisch ab“, so Martínez. „Das Klima ist allerdings eine Herausforderung. Im Sommer scheint fast die ganze Nacht die Sonne, und im Winter kann es aufgrund von Schnee und Eis schwierig sein, von einem Ort zum anderen zu gelangen.“
Doch trotz der Herausforderungen schätzen viele Spielerinnen die Kultur und den Zusammenhalt im isländischen Fußball. „Hier gibt es das sogenannte ‚dritte Halbfeld‘ – nach dem Spiel bereitet das Heimteam eine Mahlzeit und Getränke für alle vor, und dann sitzen wir gemeinsam mit den gegnerischen Spielerinnen zusammen und feiern den Sport“, erzählt Martínez begeistert. „Das ist etwas Besonderes.“
Am Dienstag wird sie im Stadion in Reykjavík die spanische Nationalmannschaft anfeuern, die als klarer Favorit gegen Island ins Spiel geht. „Spanien hat großartige Fußballerinnen und einen Spielstil, an den die isländischen Spielerinnen noch nicht gewöhnt sind. Sie sind körperlich stark und direkt, und viele von ihnen haben einen beeindruckenden Körperbau. Sie hatten leider Pech, mit der Welt- und Europameisterin im selben Qualifikationsgruppen zu landen, aber ich hoffe, sie schaffen es ins Turnier.“
Die zunehmende Internationalisierung der isländischen Liga und die wachsende Beliebtheit bei spanischen Spielerinnen deuten darauf hin, dass Island sich als eine einzigartige und attraktive Destination für Fußballerinnen aus aller Welt etabliert hat. Es ist mehr als nur ein Ort zum Spielen – es ist ein Abenteuer, das Freundschaften, Erfahrungen und persönliches Wachstum mit sich bringt. Viele Spielerinnen bleiben sogar dauerhaft in Island und bauen sich dort ein neues Leben auf. Die Besta-deild kvenna wird somit zu einem Schmelztiegel internationaler Talente und ein Beweis dafür, dass der Fußball immer globaler wird.
