Spalletti will zwangsstart für u19-talente – italiens serie a vor der jugend-revolution

Luciano Spalletti schlägt vor, künftig jedes Serie-A-Team zur ersten Minute einen Spieler unter 19 Jahren auflaufen zu lassen. Der aktuelle Juventus-Trainer und frühere Nationalcoach will damit der italienischen Fußball-Krise die Stirn bieten – nach dem dritten verpassten Weltcup in Folge.

Die idee hinter der pflicht-jugend-regel

Spalletti lieferte die Rechnung gleich mit: 20 Klubs mal 38 Spieltage ergäben 760 Einsatzminuten für junge Italiener, mindestens. „Wir reden hier nicht von Kurzeinsätzen in der 90. Minute, sondern von echter Verantwortung von Anfang an“, sagte er in der Gazzetta dello Sport. Die Reaktionen sind gespalten: Sportdirektoren fürchten um Punkte, Fans jubeln über frischen Wind.

Der Plan kommt nicht aus dem Nichts. In den vergangenen drei Spielzeiten sank der Anteil italienischer Feldspieler unter 23 auf 6,8 Prozent – Tiefstwert seit 25 Jahren. Spalletti sieht die Liga auf dem Holzweg: „Wir kaufen ausländische Provenienz und wundern uns, dass die Nazionale keine DNA mehr hat.“

Welche talente sofort profitieren würden

Welche talente sofort profitieren würden

Ein Blick auf die Trainingsplätze zeigt: Rohstoff ist da. Francesco Camarda (16) vom AC Milan trainiert seit Wochen mit der Profi-Gruppe, Christian Giacomone (18) hält bei Lazio die Hand schon nach dem Keeper-Topf aus. In Parma läuft Simon Britschgi (19) als Linksverteidiger zur Stammkraft auf, bei Bologna feierte Giovanni Pessina (18) sein Debüt – jeweils ohne Quotenzwang.

Die Klubs haben die Skizze bereits auf dem Schreibtisch. Inter stützt sich auf Alessandro Cocchi, Atalanta will Matteo Ahanor links außen testen. Bei Cagliari steht Mamadou Mendy bereit, Cremona setzt auf Riccardo Lottici. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der Next-Gen-Teams – bisher nur geduldet, künftig vielleicht unverzichtbar.

Warum die serie a zögert

Geld regiert die Gegenargumente. TV-Prämien und Platzierungsklauseln bedeuten Millionen. Ein verpatztes Spiel durch einen jungen Fehler kann den Abstieg oder die Champions-League-Quali kosten. „Wir fördern lieber auf Leihbasis in Serie B als mit Risiko in der eigenen Startformation“, sagt ein Manager, der anonym bleiben will. Die Liga berät nun über ein Kompromissmodell: statt Zwang eine Belohnung – zusätzliche Auswechslungsmöglichkeiten, wenn ein U19-Spieler mindestens 45 Minuten steht.

Spalletti bleibt hart: „Wer zu viel rechnet, verliert die Zukunft.“ Sein Appell richtet sich an die Klubeigentümer, aber auch an die Tifosi. Denn die Stimmung in den Kurven kippt: Nach der Blamage gegen die Schweiz und Norweegen wurde die Nationalmannschaft ausgepfiffen – selbst vor dem eigenen Tor. Die Angst, bald wieder nur noch bei Turnieren zuzuschauen, wächst.

Die Entscheidung fällt am 15. Juni auf der nächsten Liga-Versammlung. Sollte die Jugend-Quote kommen, wäre Italien das erste Top-Five-Land mit einer solchen Regel. Spalletti hat den Stein ins Rollen gebracht. Jetzt liegt er in den Händen der Funktionäre – und auf den Füßen der Talente, die endlich bereitstehen.