Todesdrohungen gegen kaufmann: „ich weiß, wie man mich umbringt“
Annett Kaufmann musste lernen, dass Olympiaruhm einen Schatten wirft. Der 19-jährige Tischtennis-Star berichtet offen von Mordfantasien, die ihr ins Smartphone flatterten – und von einem Online-Hass, der sich vor allem gegen Frauen richtet.
Die drohung kam mit drei satzzeichen
„Es wurde genau geschildert, wie ich umgebracht werden sollte“, sagt sie im Talk der Stuttgarter Zeitung. Ein Nachrichtenfenster, drei Smileys, ein Plan. Kaufmann meldete den Account, blockierte, ging zur Polizei. Seitdem herrscht Funkstille – auf dieser Plattform. Andere Kanäle füllen sich täglich neu.
Die Team-Europameisterin zählt auf: kolleginnen werden auf „Titten und Arsch“ reduziert, sie selbst liest, man solle sie „endlich wieder in die Küche schicken“. Jeder Sieg löst neue Wut aus, jede Niederlage noch mehr. „Es wird schlimmer und schlimmer“, sagt sie, ohne die Stimme zu heben. Die Zahlen sprechen: Seit Paris 2024 ist das Kommentarvolumen um 40 Prozent gestiegen, der Anteil frauenfeindlicher Inhalte lag laut DOSB-Internastudie bei 62 Prozent.

Hass ist längst teil des trainingsplans
Bundestrainerin Petrissa Solja hat Blocklisten eingeführt, Sportpsychologen sitzen jetzt im WhatsApp-Thread. Trotzdem fließt neuer GIF-Spam in die Gruppen, noch während die Spielerinnen auf dem Multi-Ball trainieren. „Wir können nicht jede Sekunde auf dem Handy hängen“, sagt Kaufmann. „Aber wir müssen wissen, was kommt.“
Der Deutsche Tisch-Tennis-Bund will Filter-Tools aufrüsten, doch die Plattformen zögern. Kaufmanns Forderung ist simpel: „Sperrt nicht nur Accounts, sperrt IPs.“ Bis dahin bleibt ihr ein Trick: Sie lässt Kommentare erst nach 24 Stunden freischalten – wenn die Empörungswelle sich schon auf den nächsten Skandal gestürzt hat.
Am 14. Juni geht es zur Weltmeisterschaft in Doha. Kaufmann wird wieder starten, wieder siegen oder verlieren – und wieder in den Kommentaren landen. Sie spielt weiter, sagt sie, „weil ich nicht zulasse, dass irgendjemand meine Karriere kaputtmacht, der sich nicht mal traut, seinen echten Namen zu nennen“. Die Drohung liegt zurück, aber die Spur bleibt sichtbar: ein blauer Haken, ein gelber Block-Button, ein goldener Olympia-Ring – und dazwischen ein Mädchen, das trotzdem aufschlägt.
