Morddrohungen gegen kaufmann: „es wurde beschrieben, wie ich sterben soll“

Annett Kaufmann sitzt vor dem Mikrofon, lächelt nicht. Die 19-Jährige, seit Paris 2024 das strahlende Gesicht des deutschen Tischtennis, spricht über Nachrichten, die kein Mensch erhalten sollte. „Es wurde genau geschildert, wie ich umgebracht werden sollte“, sagt sie ruhig, als redete sie über Ballwechsel. Die Worte sind zurückliegend, gemeldet, blockiert – aber nicht vergessen.

Teamkolleginnen erhalten dieselbe wut

Teamkolleginnen erhalten dieselbe wut

Die Drohung traf sie isoliert, doch das Problem ist systemisch. Kaufmann berichtet von einem Sammelbecken sexistischer Hasskommentare, das sich vor allem gegen Frauen richtet. „Unsägliche Nachrichten, die sich auf Äußerlichkeiten beziehen“, flattern täglich in die Inbox des gesamten Kaders. Olympische Medaillen schützen nicht vor Obszönitäten. Je erfolgreicher die Sportlerin, desto brutaler die Reaktion – das zeigte sich zuletzt während der Winterspiele in Mailand und Cortina, als bereits Franziska Preuß von „Psychoterror“ sprach.

Kaufmann hat sich entschieden, öffentlich zu werden, statt zu schweigen. Sie blockiert, meldet, dokumentiert – und hofft, dass Plattformen endlich durchgreifen. „Es wird schlimmer und schlimmer, warnt sie. Dahinter steckt keine Eitelkeit, sondern nüchterne Analyse: Wer Frauen reduziert auf Körper und Kleidung, will nicht kritisieren, sondern vernichten.

Der Deutsche Tischtennis-Bund reagiert: Man wolle „konsequent gegen Hass und Diskriminierung vorgehen“, heißt es in einer ersten Stellungnahme. Doch die Athletin weiß: Verbände können Profile sperren, nicht aber Köpfe. Die digitale Kehrseite der Medaille wird für Sportlerinnen zur Dauerbelastung – und damit zu einem Gegner, gegen den es kein Training gibt.

Kaufmann wird trotzdem weiterspielen. Ihr nächstes Ziel ist die WM 2027 in Rio. Sie will Titel, nicht Tränen. Und sie will, dass ihre Geschichte gelesen wird – als Warnung und als Weckruf. Denn wenn Olympia-Gold nicht vor Hass schützt, was dann?