Soticek darf trotz null-bilanz träumen: belgiens klubs kreisen um basels flop

25 Liga-Spiele, null Tore, ein Assist – und trotzdem ist Marin Soticek plötzlich wieder begehrt. Hinter dem Rücken des entzauberten Flügelspielers sammeln sich belgische und deutsche Anfragen, wie mir aus dem Umfeld des Spielers bestätigt wurde. Der FC Basel, der vor zwei Jahren noch drei Millionen Euro für den Kroaten zahlte, dürfte im Sommer ein zweites Mal kassieren – diesmal für einen Top-Talent-Transfer, der nie richtig in Fahrt kam.

Die statistik, die lichtsteiner ignoriert

Seit Stephan Lichtsteiner die Rasselbande übernahm, rutschte Soticek durchs Raster. 35 Pflichtspiel-Einsätze klingen nach Einsatzzeit, doch selten stand er in der Startelf. Trainerwechsel hin, taktische Umstellung her – der 21-Jährige wirkt wie ein Fremdkörper im System des neuen Coaches. Die Null in der Torschützenliste ist kein Druckfehler, sondern die Zusammenfassung eines verlorenen Jahres. Dabei hatte der FCB den einstigen U21-Nationalspieler als Pfeil im Köcher verpflichtet, der mit Tempo und Dribbling die Flanke entzündet. Stattdessen verpuffte jede Aktion im Sandkasten der Super League.

Intern hieß es zuletzt, Soticek habe „die nötige Reife verpasst“. Wörtlich: Er tritt in Trainingsspielen zu verspielt auf, verliert im Eins-gegen-Eins den Ball, lässt sich von der Tribüne beeinflussen. Das ist hart, aber nicht ungewöhnlich. Der Klub zahlte für Potenzial, nicht für Garantien. Doch Potenzial lässt sich verkaufen, solange der Markt noch glaubt, dass ein Wechsel der Funke sein könnte, der die Karriere entzündet.

Warum belgien jetzt zuschlagen will

Warum belgien jetzt zuschlagen will

Die Belgier haben ein Auge für gescheiterte Bundesliga- und Super-League-Talente. Sie wissen: Drei Millionen Ablöse sind in der Jupiler Pro League ein Schnäppchen, wenn man den Spieler wieder auf Vordermann bringt. Anderlecht und Gent liebäugeln, Union SG schickte bereits Scouts ins St.-Jakob-Park. Die deutschen Klubs sind vorsichtiger – zweite Liga, kleiner Kreis, geringes Risiko. Für Soticek wäre es ein Neuanfang mit Ansage: weniger Druck, mehr Ballbesitz, eine Liga, die Tore honoriert statt sie vermissen lässt.

Basel wiederum dürfte bei einem Verkauf keine Verluste realisieren. Die ursprüngliche Ablöse ist längst über Sponsoring- und TV-Gelder hereingeholt, ein Weiterverkauf würde die Kasse um weitere eineinhalb bis zwei Millionen füllen. Das ist ein Sümmchen, das im FFP-Zeitalter sogar den Finanzchef lächeln lässt. Soticek selbst dürfte das interne Machtwort erhalten haben: such dir einen Klub, wir blockieren nicht. Der Vertrag bis 2028 ist kein Gefängnis, sondern ein Sicherheitsnetz für beide Seiten.

Für den Spieler bleibt die U21-Nationalmannschaft der letzte Leuchturm. Dort ist er weiter Stammspieler, dort erinnert man sich an seine Einwürfe gegen Spanien und Portugal. Die Tore, die in Basel fehlen, schoss er im Trikot mit dem Kroatien-Wappen – ein Hinweis, dass der Knipser noch nicht komplett erloschen ist. Ob die Flamme in Antwerp oder Düsseldorf wieder aufflackert, wird sich zeigen. Sicher ist nur: Die nächste Saison wird zur Entscheidung. Entweder er landet bei einem Mittelklub, der ihn trägt, oder er versinkt in der zweiten Garnitur eines Topclubs. Die Zeit arbeitet gegen ihn, aber das Interesse arbeitet für ihn. Und im Fußball gilt: Solange die Anrufe kommen, ist die Karriere noch nicht am Endstation.