Sorloth versinkt im bank-loch: atléticos torjäger verliert den faden zum finale

144 Minuten. Genau so lange durfte Alexander Sorloth in den letzten vier Pflichtspielen des Atlético Madrid ran – und blieb ohne Treffer. Die Sekunden ticken nicht nur für ihn, sondern für den ganzen Klub, der auf einmal wieder mit der Frage lebt: Wer schießt die Tore, wenn Griezmann und Julián Álvarez mal nicht laufen?

Die bank ist sein fanal

Die Zahlen sind so schonungslos wie ein Schlag ins Gesicht. 20 Einsätze als Joker in dieser Saison, null Tore. Vergleicht man das mit der Vorsaison, wirkt es wie ein Scherz: damals traf er 14-mal nach Einwechslung. Der Unterschied war seine Aura. Kaum stand er auf dem Rasen, roch der Gegner den nächsten Treffer. Jetzt riecht man nur noch den Druck.

Die Talfahrt begann mit dem 1:0 gegen Real Sociedad. Seitdem: Tottenham zweimal, Getafe, Real Madrid – allesamt ohne sein Tor. Drei Mal saß er zunächst wieder auf der Bank. Nur gegen Getafe durfte er von Anfang an laufen, wurde aber nach 65 Minuten ausgewechselt. Die Logik von Diego Simeone ist gnadenlos: Wer nicht trifft, fliegt raus. Wer rausfliegt, trifft noch weniger.

Die 72-minuten-lücke

Die 72-minuten-lücke

In den fünf Spielen zuvor stand Sorloth durchschnittlich 72,6 Minuten auf dem Platz, erzielte dabei sechs Tore – ein Doppelpack gegen Espanyol, ein Hattrick gegen den FC Brügge. Die Rede war vom „Norwegischen Feuer“, das den Atlético-Angriff in Schwung brachte. Jetzt sind es 36,5 Minuten pro Partie. Die Hälfte der Zeit, die Hälfte der Bewegung, die Hälfte des Selbstvertrauens.

Doch das Problem ist nicht nur die Minuten-Mathe. Es ist die Rolle. Als Joker ist er in dieser Saison ein Fremdkörper. Kein einziges Tor nach Einwechslung bedeutet: kein Heber, keine Grätsche, keine Befreiung. Die Parolen der Fans verhallen ungehört. Selbst in der Nationalelf blieb er gegen die Niederlande erneut ohne Torbeteiligung.

Champions-league und pokal: atlético braucht ein wunder-sorloth

Champions-league und pokal: atlético braucht ein wunder-sorloth

Die K.-o.-Phase der Champions League und das Copa-del-Rey-Viertelfinale stehen vor der Tür. Da zählt jeder Sturmriegel. Griezmann und Álvarez sind in Topform, aber ein drittes Rad im Angriff kann Spiele drehen. Simeone weiß das. Er erinnert sich an die Januar-Nacht in Brügge, als Sorloth eingewechselt wurde und das Spiel mit einem Zahnputz-Biss um 180 Grad drehte – ohne zu treffen. Die Energie, die Leute aus den Sitzen riss, war sein Kapital.

Dieses Kapital ist gerade verbrannt. Kein Tor, keine Aura, kein Plan B. Die Frage ist nicht, ob er wieder trifft, sondern ob er überhaupt noch rechtzeitig auf den Platz kommt. Wenn Atlético die Titelchance wahren will, muss der Norweger aus dem Bank-Loch herausfinden – und zwar jetzt. Die Uhr tickt. 90 Minuten können eine Saison sein. Oder eben 36,5.