Sophia flörsch rast in die formel e – und schielt weiter auf die königsklasse
Sie springt, sie brennt, sie will nach vorn. Sophia Flörsch wechselt sofort zu Opels nagelneuem Formel-E-Team, unterschreibt als Test- und Entwicklungsfahrerin für die Gen4-Ära – und behält dabei nur ein Ziel im Visier: die Formel 1.
Die 25-jährige Münchnerin wird schon am 21. und 22. April auf dem Paul Ricard sitzen, wenn Opel den neuen Stromer erstmals rollen lässt. Mehr Leistung, Allradantrieb, Software-Wahnsinn – das Reglement wirft alle Daten durcheinander. Flörsch liefert die Referenzrunden, sortiert Telemetrie, drückt auf die Kerbe, bis der Akku glüht.
Ein werksteam, ein karrieresprung und ein altes versprechen
Die Formel E gilt intern als härtestes Rennformat – kein Tanken, keine Zeit zum Durchatmen, dafür Vollgas in der City. Genau das zieht Flörsch an: „Wer hier mithalten kann, beweist auf Anhieb, dass er Weltniveau hat“, sagt sie im Interview. Für Opel ist sie die perfekte Mischung aus Dauerlast und Marketing-Gesicht: frisch genug für TikTok, erfahren genug für Windkanal-Daten.
Ihr CV liest sich wie ein Schlag aufs Blech: Karts, Formel 3, 24 Stunden Daytona, FIA WEC. Dazwischen der Crash in Macau 2018, der ihr kein Stück Selbstvertrauen nahm. Jetzt folgt die nächste Stufe. Ob sie 2027 auch startberechtigt ist? Das Team hält sich bedeckt. Die offiziellen Stammfahrer verkündet Opel erst im Sommer.
Doch egal, wer das Lenkrad in Rennen halten darf – die Entwicklungsarbeit entscheidet über Zehntel, über Podest oder Pech. Und hier kriegt Flörsch echte Macht: Sie justiert Software-Maps, testt Reifenmischungen, simuliert Attack-Mode-Zyklen. Jede Rückmeldung landet direkt beim Chefingenieur. Das ist kein Ehrenposten, sondern purer Einfluss.

Die königsklasse wartet noch – und sie weiß es
Flörsch redet nicht drum herum: „Mein Traum ist seit zwölf Jahren die Formel 1.“ Die Superlizenz-Punkte fehlen, die Sitze sind rar. Aber ein starkes Formel-E-Portfolio kann Türen öffnen, das hat Stoffel Vandoorne vorgemacht. Ein Titel in der City-Serie, ein paar Testkilometer in einem aktuellen F1-Chassis – und das Thema bekommt Fahrt.
Die Zahlen sprechen für sie: 82 Rennen in der Formel 3, drei Top-Ten-Gesamtplatzierungen im WEC, 310 km/h Topspeed in Daytona. Sie kennt Carbon, sie kennt Druck. Jetzt muss sie nur noch die Batterie knacken. Sollte sie dabei helfen, den Opel Gen4 zur Spitze zu trimmen, winkt 2028 vielleicht ein Freitagstraining in Suzuka oder Silverstone.
Bis dahin heißt es: Ladekurve analysieren, Bremsbalance zerlegen, Nachtschichten in der Simulator-Halle. Der Weg führt über Kilowatt, nicht über Schmiergelder. Für Flörsch ist das ein Vorteil – sie hat nie einen Cent zu verschenken. Was sie hat, ist Geduld. Und die ist in der Motorsport-Welt die seltenste Währung von allen.
