Skimo-kader zerbricht: dav wirft drei stars raus – gramelsberger kündigt gegenangriff an

Der Deutsche Alpenverein zieht die Notbremse. Drei Skibergsteiger fliegen raus. Für sie ist Olympia 2026 vorbei, bevor es losging.

Felix Gramelsberger, bisher Hoffnungsträger im Speed-Bergauf, spricht von „nachweisbaren Unwahrheiten“ und kündigt juristische Gegenwehr an. Der DAV kontert mit einem Gutachten, das von Angstkultur und psychischen Schäden im Gesamtkader liest.

Das ultimatum kam per mail

Kein Training, keine Wettkämpfe, keine Einsicht. Die Sperre gilt sofort und weltweit. Wer die Namen der beiden anderen Betroffenen sucht, sucht vergeblich – der Verein schützt vor dem Shitstorm, den er selbst ausgelöst hat. Intern heißt es, man wolle „die Gruppe vor weiteren Spannungen bewahren“. Tatsächlich spaltet sich der Verband seit Wochen in zwei Lager: Ankläger auf der einen, Restkader und Funktionäre auf der anderen Seite.

Hintergrund ist eine Strafanzeige der drei Athleten gegen Ex-Bundestrainer Martin E. und den geschassten Sportlichen Leiter Hermann Gruber. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung. Die Vorwürfe: zu harte Gewichtseinheiten, manipulierte Leistungstests, Trainingsbahnen, die erst enden, wenn jemand kotzt. Der Coach ist längst weg, Gruber wurde „freigestellt“ – ein nettes Wort für „gefeuert auf Probe“.

Angst vor whatsapp-screenshots

Angst vor whatsapp-screenshots

Die Athleten hatten gehofft, mit ihrer Anklage Machtverhältnisse aufzubrechen. Stattdessen sitzen sie jetzt selbst auf der Anklagebank. Laut DAV-Gutachten sollen sie jüngere Teamkollegen beeinflusst und interne Chatverläufe an Medien durchgestochen haben. Die Beweise: verschwommenes Handyvideo, zerrissene Sprachnachricht, ein Excel-Sheet mit Gewichtszahlen. Mehr liegt nicht vor. Trotzdem reicht das Präsidium für eine Vollspere – juristisch fragwürdig, publizistisch brisant.

Präsident Roland Stierle spricht von „Verantwortung für das Gesamtkollektiv“. Klingt nach Sozialpädagogik, wirkt wie Schützenhilfe für den Vorstand. Denn wenn die drei Klagenden draußen sind, schlägt die Staatsanwaltschaft vielleicht geringer aus – ein Schachzug, der sich am Ende gegen den DAV richten könnte.

Olympia-ticket verglüht in 68 sekunden

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Die Entscheidung kommt zwei Tage vor dem Quali-Finale in Val Martello. Wer jetzt gesperrt ist, verpasht automatisch die Norm. Gramelsbergers Traum von der ersten deutschen Medaille im Skimo-Speed ist damit fürs erste begraben. Stattdessen droht ein civilrechtlicher Kampf, der den Verband mehr kosten kann als ein ganzes Kaderbudget.

Die Zeit drängt. In 312 Tagen startet Milano-Cortina 2026. Der DAV muss bis dahin nicht nur ein neues Trainerteam aufbauen, sondern auch die Glaubwürdigrettung schaffen. Die Athleten hingegen werden vor dem Landgericht München versuchen, ihre Sperre zu kippen. Die nächste Anhörung steht am 7. April an. Bis dahin bleibt ein Scherbenhaufen, der größer ist als jede Gletscherspalte in den Dolomiten.