Sinner trifft shapovalov: der linkshänder, der ihn zittert

Jannik Sinner hat seit 2024 keinen einzigen Linkshänder mehr verloren. Heute Nachmittag, 10.07 Uhr Ortszeit im Indian Wells Garden, tritt genau dieser Shapovalov an, der ihm 2021 in Melbourne die Nerven zerfetzt und 2024 in New York den Schweiß auf die Stirn getrieben hat. Drei Sätze? Vier? Fünf? Die Wüste um Coachella Valley wird es wissen.

Der mann, der mit dem rückhand-whipp den kreisel zerlegt

Shapovalovs One-Hander ist kein Schlag, das ist ein Peitschenknall. 135 km/h, aufgesprungen, side-spin, keiner weiß, wo der Ball landet – am Ende nicht einmal der Kanadier selbst. Gegen Sinner funktionierte genau diese Unberechenbarkeit zweimal: Break im fünften Satz von Melbourne, Break im dritten Satz von Flushing Meadows. Beide Male lag der 21-Jährige von damals noch in der Weltrangliste hinter dem Kanadier, heute trennen sie 67 Positionen. Die Distanz ist ein Abgrund, aber der Ball fliegt unbeirrbar.

Die Zahlen lügen nicht: Sinner gewann 17 der letzten 18 Matches gegen Linkshänder, doch kein einziger davon war ein Selbstläufer. Der letzte Verlust? Ben Shelton, Shanghai 2023, gleicher Belag, gleiche Wüstenluft. Shapovalov liest diese Statistik, lacht kurz und antwortet auf Twitter mit einem einzigen Wort: „Déjà-vu?“

Clostebol, entschuldigungen und der geruch von benzinkanistern

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Der Kanadier schrieb im Dezember 2024 einen Satz, der ihm ein Shitstorm einbrachte: „Nicht alle Spieler werden gleich behandelt.“ Hintergrund: Sinkers positiver Test, Freispruch, Triumph. Shapovalov löschte den Post, entschuldigte sich, betonte, nichts gegen Sinner zu haben. Doch in der Pressekonferenz von gestag Abend schimmerte noch immer Rauch auf: „Ich spiele Tennis, nicht Schach. Draußen zählt nur, wer zuerst trifft.“

Die Versicherungen seiner PR-Berater klingen wie Sand im Getriebe. Auf dem Court herrscht ein anderer Code: Wer zuletzt lacht, schreibt die Headlines.

Indian Wells, Runde drei – das ist keine Runde, das ist ein Kammerspiel. 17 000 Zuschauer im Stadion, 35 Grad im Schatten, 5 % Luftfeuchte. Die Bälle fliegen schneller als in Wimbledon, der Aufschlag springt wie auf Beton. Shapovalov servierte in der ersten Runde gegen Tiafoe mit 232 km/h. Sinner antwortete mit 86 % erster Aufschlag gegen Mpetshi Perricard. Es wird ein Duell zwischen Rakete und Stahlbeton.

Der countdown läuft, die wüste schweigt

Um 10.07 Uhr Ortszeit fliegt der Ball hoch in die kupferfarbene Himmelsoberfläche Kaliforniens. Alles steht auf Messers Schneide: Sinner will die weiße Weste gegen Linkshänder, Shapovalov will die Trendwende, die seine Saison retten kann. Buchmacher sehen den Italiener bei 1,18 – ein Kurs, der eher an eine Bankanleihe erinnert als an Tennis. Doch der Kanadier lacht über Quoten, seit er als 13-Jähriger in einem Torontoer Subway-Shop für 2 Dollar die Rückhand lernte.

Am Ende bleibt eine einzige Gewissheit: Jemand wird in der Wüste die Hand schütteln, jemand wird den Kopf hängen lassen. Und die Sonne über Indian Wells wird unbeirrt weiterbrennen – egal, wie laut die Peitsche knallt.