Sinner schreibt „grande kimi“ an die tv-linse – der zauber der kurzen freundschaft

Indian Wells lag noch im Duft roten Staubs, da griff Jannik Sinner nach dem Mikrofon einer TV-Kamera und kritzelte drei Worte, die jeder Italiener sofort versteht: „Grande Kimi“. Kein Standard-Dank, kein Autogramm, sondern ein Seitenhieb an die Konvention und ein Gruß an Kimi Antonelli, der gerade in Bahrain seinen ersten Formel-1-Sieg eingefahren hatte. Das Duo, das sich erst im November in Turin an den ATP Finals das erste Mal in die Arme genommen hatte, besetzt nun dieselbe mentale Titelseite: junger Südtiroler trifft auf jungen Emilianer – beide 19 oder 21, beide mit Vollgas in ihre Zukunft.

„Endlich sehen wir uns“ – die geschichte eines handschlags

Im Hinterzimmer von Turin hatte Antonelli sich als Fan outet: „Ich habe jeden deiner Matches verfolgt“, sagte er damals zu Sinner. Der wiederum schob seine Schläger beiseite und plauderte über Motoren, Karbon-Chassis und Boxenstopp-Strategien. Einen Monat später saß Antonelli im Simulator von Mercedes, Sinner ballte in Kalifornien die Faust – und beide dachten an dasselbe: dass man sich irgendwann auf dem Treppchen treffen wird.

Diese Kamera-Geste war mehr als ein netter Bruderzwitsch. Sie war ein Signal an die Marketing-Abteilungen, dass das Narrativ „Tennis trifft Motorsport“ endlich ein Gesicht hat. Sponsoren lieben solche Schnittstellen: roter Kopf, rotes Auto, rotes Publikum. Und sie lieben Zahlen: Sinner bringt 1,3 Millionen Instagram-Follower, Antonelli knackt gerade die 400.000 – Tendenz steil, weil Mercedes ihn für 2025 in die Königsklasse lotsen will.

Warum diese freundschaft jetzt den sportbeobachter interessiert

Warum diese freundschaft jetzt den sportbeobachter interessiert

Italien besitzt seit 2007 keinen Formel-1-Sieger mehr, seit 1976 keinen Herren-Grand-Slam-Champion. Die Nation wartet auf neue Helden, und plötzlich kommen zwei daher, die dieselbe Sprache sprechen – nicht nur Italienisch, sondern die Sprache des unbedingten Siegeswollens. Das erklärt, warum die Rai bereits eine Doku plant, warum Sportminister Abodi die beiden zu einem Doppel-Interview einlädt und warum die Quoten in Mailand bei jeder gemeinsamen Sendung um 18 Prozent nach oben schnellen.

Lo Sport da sempre vende sogni, hieß es früher im Dopingskandal-Italien. Heute verkauft er Freundschaften. Die Botschaft ist simpel: Wer sich in Turin die Hand gibt, kann in Monte Carlo gemeinsam aufs Podest. Und sollte Antonelli 2025 tatsächlich für Mercedes fahren, winkt vielleicht schon Sinner als Gewinner von Roland Garros – und die Kamera wartet wieder auf ein paar neue Worte.