Sinner schlägt weiterhin den rücken ein – und jagt die letzte missing master-trophäe
Die Nummer eins der Welt trägt Schmerzen wie ein zweites Trikot. Um 20:47 Uhr Ortszeit kniete Physio Claudio Resnicoff noch einmal an Jannik Sinners Rücken, Indian-Wells-Court 1, Tribüne halb leer, Lautsprecher schon abgestellt. Der Aufschlag war gerade ein letztes Mal durchgegangen – ein leiser Stich, dann ein Zucken. Sinner stoppte das Training, legte sich auf die Matte, ließ sich die Wirbelsäule mobilisieren. Zwei Minuten später stand er wieder auf, schlug noch zwei saubere Vorhand-Longlines. Staff lächelte. Halbfinale gegen Alexander Zverev, 21.30 Uhr, live.
6:4 Lautet die scoreline – und die statistik lügt nicht
Sieben Monate hat es gedauert, bis Zverev das letzte Mal einen Satz gegen Sinner gewann. Das war im August 2023 in New York, seitdem fünf Matches, fünf Niederlagen, kein Tiebreak, kein Tiebreak-Debakel, einfach null Chance. Der Deutsche hat in Indian Wells 102 Winner in vier Partien gehämmert – mehr als jeder andere Halbfinalist –, doch die Zahl interessiert Sinner nur am Rande. „Er schlägt jetzt früher auf, steht enger in der Court-Mitte“, sagt der Italiener, „aber ich kenne seine Rhythmik.“
Was fehlt, ist das letzte Puzzlestück: ein Masters-1000-Titel auf Hartplatz. Drei auf Sand, zwei auf Rasen – der amerikanische Winter fehlt im Regal. Das Turnier, das ihm 2023 wegen Doping-Vorwürfen verwehrt blieb, liegt heute bereit. Die Schiene, die ihm Resnicoff verpasst, ist nur ein Leihgegenstand; die finale Antwort gibt Sinner selbst, zwischen Grundlinie und T-Shirt-Linie.

Alcaraz oder medwedew warten schon – mit 26 stunden vorlauf
Wer immer um 23.30 Uhr das Netz berührt, hat weniger als einen Tag zur Regeneration. Carlos Alcaraz, zweifacher Champion hier, und Daniil Medwedew, der Mann mit dem Beton-Biss, bestreiten das zweite Halbfinale direkt im Anschluss. Die Winner-Statistik dürfte dann wieder durch die Roof geschossen werden – doch die Frage lautet: wie viel Rücken bleibt übrig? Sinner spielt seine 14. Partie in 28 Tagen, die Belastungssteuerung der ATP erlaubt keine Ausreden.
Der Sieger bekommt nicht nur 1000 Punkte, sondern auch ein Freifahrtschein für die Saisonplanung. Die Schmerztabletten sind längst eingepackt, die Schläger neu bespannt. In der Wüste von Kalifornien wartet die eine Trophäe, die seinem Jahresziel Grand-Slam-Favorit die letzte Makellosigkeit verleiht. Um 21.30 Uhr geht’s los – und Sinner wird aufschlagen, egal wie stark der Rücken zieht.
