Sinner jagt tiafoe in miami-nacht – und der us-boy klaut seine jubel-show
Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Miami (USA). Während Deutschland schläft, läuft Jannik Sinner in Miami schon warm. Am Donnerstagabend (Ortszeit) steht der Weltranglistenerste im Viertelfinale des ATP-1000-Turniers gegen Frances Tiafoe auf dem Court – und das nicht irgendwie: Die Partie beginnt nicht vor 18 Uhr deutscher Zeit, also mitten in der europäischen Nacht. Sky Sport Übertragung ab 17.50 Uhr, parallel auf NOW und TennisTV. Wer mitdiskutieren will, braucht Kaffee oder eine gute Ausrede fürs Home-Office am Freitagmorgen.
Tiafoe provoziert – und kopiert trae young
Die Vorlage lieferte der Amerikaner selbst. Nach seinem Achtelfinale gegen Sinner-Victim Alex Michelsen griff sich Tiafoe das Mikro, schlenderte zum Publikum und zitierte die berühmte „Ice-Trae“-Pose des NBA-Stars Trae Young – samt kalter Miene und ausgestrecktem Zeigefinger. Das Video ging viral, Sinner sah es sicher auch. Für Italiens Tennis-Superstar ist das ein zusätzlicher Brennstoff, zumal er gegen Tiafoe in der Bilanz nur 2:2 steht und die letzte Begegnung in Wien 2022 verlor.
Die Zahlen sprechen trotzdem für Sinner: 18 Siege in Serie auf Hartplatz, nur zwei Sätze abgegeben in Miami. Doch Tiafoe ist auf dieser Oberfläche ein Tier, vor allem wenn der Ball bei 28 Grad Celsius durch die Nachtluft fliegt. Die US-Anlage schreit nach einer Sensation – und nach dem Auftritt von Coco Gauff am Mittwochabend ist der Place erst richtig wach.

Parallel laufen die frauen auf supertennis
Während die Männer in der Nachtschicht spielen, stehen bei den Frauen schon die Halbfinals an. SuperTennis (Free-TV), SuperTennis Plus und Sky Sport Tennis zeigen ab etwa 20 Uhr die beiden Matches im WTA-1000-Tableau. Wer dort aufschlägt, ist noch offen – die Viertelfinals laufen noch, aber die Top-Favoritinnen Swiatek und Sabalenka sind bereits im Rennen. Auch hier gilt: Europa schläft, Miami lebt.
Für deutsche Zuschauer heißt das: Wer die volle Dröhnung will, programmiert den Wecker auf 2.30 Uhr. Denn wenn Sinner und Tiafoe erst einmal in den dritten Satz gehen, kann das leicht nach Mitternacht (MEZ) dauern. Die Quote wird trotzdem steigen – Sinner ist der neue Zeitgeist, Tiafoe der Showman, und Miami liefert das Schaukelpferd.
Die Ironie: Erst vor zwei Jahren galt Sinner noch als „kühler Norditaliener“, der emotionslos dem Ball hinterherjagt. Jetzt ist er derjenige, der Tiafoe mit lauten „Forza!“-Rufen provoziert. Die Rollen sind vertauscht, die Bühne ist bereitet. Und wer am Freitagmorgen müde ins Büro kommt, weiß wenigstens, warum er lacht: Er hat die beste Nachtschicht der Tennis-Saison mitbekommen.
