Sinner jagt das sunshine double – aber miami spielt verrückt
Jannik Sinner landet
in Miami und trägt gleich zwei Wetten im Gepäck: die erste ist der Sunshine Double, also Indian Wells plus Miami in einer Saison – zuletzt gelungen 2017 einem gewissen Roger Federer. Die zweite Wette heißt Wetter. „Ich hab gerade mal 45 Minuten Trainieren geschafft, danach hat es geregnet wie in Mailand im November“, sagt er mit einem verschmitzten Grinsen, das nur halb Verärgerung verbirgt.45 Minuten reichen nicht, um gefühle zu sortieren
Die Zahlen sind brutal: Sonntag Finale in Kalifornien, Mittwoch bereits Qualifying-Ausfall in Florida, Samstag soll sein Auftaktspiel steigen – wenn der Sturm es erlaubt. Für einen Spieler, der auf Rhythmus setzt wie ein Uhrwerk, ist das ein Test der Nerven. „Ich spüre die Beine noch nicht, ich spüre nur den Jetlag“, gibt er zu. Die Bälle springen höher, die Luft klebt im Racquet, und die Sonne, eigentlich Miamis Markenzeichen, bleibt versteckt.
Dennoch: Er ist zurück auf Rang zwei, genau wie 2024, nur dass diesmal alle Welt von einem Double träumt. Die Buchmacher sehen ihn bei 2,30 – knapp hinter Medwedew, aber vor Alcaraz. „Ich nehme jeden Satz einzeln, nichts anderes zählt“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass zuviel Kalkül die Kreativität lähmt.

Italiens tennisboom trifft auf formel-1-fieber
Die italienische Flagge flattert derzeit überall: Sinner gewinnt, Antonelli siegt in Melbourne, Musetti pausiert wegen Armproblemen – und plötzlich stehen vier Azzurri in den Top-20. „Wir schreiben einander auf WhatsApp, wir feiern einander, wir nerven einander“, verrät Sinner. Der Erfolg sei kein Zufall, sondern „das Ergebnis von tausenden unterschiedlichen Trainingsplänen, die alle auf demselben Planeten landen“.
Er selbst hat dem 18-jährigen Antonelli schon eine Sprachnachricht geschickt: „Ich habe ihm gesagt, dass ich seine erste F1-Siegerehrung gesehen habe – und dass er jetzt mein Sunshine Double vervollständigen soll, wenn ich seins erledige.“ Ein Scherz mit harten Fakten dahinter: Sponsoren lieben Crossover-Marketing, und Italiens Sportminister will die beiden zu einer Doppel-Pressekonferenz nach Rom holen.

Die wetter-wildcard wird zum x-faktor
Während die Organisatoren hektisch Indoor-Pläne aus dem Aktenschrank kramen, bleibt Sinner gelassen. „Regen verzögert nur, er ändert nichts an meinem Ziel“, sagt er und meint damit, dass sein Spiel auf Timing und nicht auf Power basiert – ein Vorteil, wenn der Court schwerer wird. Der Physiotherapeut hat ihm zusätzliche Eisgänge verordnet, die Schuhfirma liefert Sohlen mit mehr Grip, und die Mentaltrainerin schickt ihm jeden Morgen eine neue Playlist mit süditalienischen Sommerhits, „damit ich das Gefühl behalte, es sei 30 Grad“.
Die Chancen stehen 50:50. Statistiker rechnen vor, dass nur vier Spieler seit 2000 beide Sunshine-Turniere in einem Jahr gewannen. Sinner selbst weiß: „Entscheidend ist der erste Freitag, wenn die Hitze zurückkommt. Dann wird sich zeigen, wer im Winter auf Hawaii trainiert hat und wer nur auf der Couch saß.“
Er selbst war nicht auf der Couch. Er war in Indian Wells, hat dort Medwedev besiegt und sich ans Herz gefasst. Wenn das Wetter mitspielt, könnte er bald nicht nur dieses Herz zeigen, sondern auch den Pokal – und Italiens Sport-Sommer wäre schon im März eröffnet.
