Sinner dominiert: becker schwärmt von der neuen tennis-maschine
Roland-Garros steht vor der Tür, und die Tenniswelt hält den Atem an. Jannik Sinner, der Weltranglistenerste, präsentiert sich in einer Form, die seit Jahrzehnten ihresgleichen sucht. Und niemand weniger als Boris Becker, Tennislegende und Experte bei Eurosport, ist von den Fähigkeiten des jungen Italieners restlos überzeugt.
Ein fortschritt in jeder disziplin
Becker sieht nicht nur den Erfolg, sondern auch die kontinuierliche Entwicklung. „Er hat sich als Tennisspieler verbessert. Es ist schwierig genug, die Nummer eins zu werden oder einen Grand-Slam-Sieg zu erreichen, aber es ist deutlich schwieriger, zu bleiben. Das geht nur, indem du deine Schwächen verbesserst.“ Sinner hat genau das getan. Seine beeindruckende Bilanz von 17:0 Siegen auf Sand in dieser Saison, gekrönt durch drei Masters-Titel, spricht Bände.
Was besonders auffällt, ist seine verbesserte Rutschtechnik. Becker vergleicht sie treffend mit dem Skifahren: „Als würde er Skifahren. Kein anderer Spieler hat diese Rutschtechnik, da kommt ihm seine Vergangenheit als sehr guter Skifahrer sicherlich zugute. Diese Beinarbeit mit dem Rutschen ist unglaublich effektiv.“ Es ist diese Kombination aus Athletik und technischem Können, die Sinner so gefährlich macht.

Der aufschlag als neue waffe
Auch der Aufschlag des Italieners hat sich enorm weiterentwickelt. „Letztes Jahr, besonders im Finale der US Open, war der Aufschlag eine Schwachstelle“, erinnert sich Becker. „Das ist jetzt eine Stärke. Er ist – wenn man sich die Daten anschaut – der beste Aufschläger der Welt. Das ist ein Riesenvorteil, weil er dadurch seine Aufschlagspiele schnell gewinnt und Kraft spart.“ Die gestiegene Schlagkraft, gepaart mit einem neuen Selbstvertrauen, macht ihn fast unbesiegbar.
Die Konkurrenz weiß es zu schätzen – oder eben nicht. Becker meint: „So ein Spiel wird ja auch teilweise im Kopf entschieden. Bei ganz wenigen Spielern habe ich gegen ihn den Eindruck, dass sie auf den Platz kommen und sich eine Chance ausrechnen. Der erste Satz geht dann oft 6:2 aus. Die Spieler glauben in der Umkleidekabine nicht, dass sie eine Chance gegen Sinner haben. Der einzige, der das anders sieht, ist gerade verletzt (Alcaraz).“
Die French Open werden zeigen, ob Sinner seine Dominanz bestätigen kann. Doch eines ist klar: Mit seiner verbauten Schwächen und seiner unbändigen Siegeswillen ist er der Mann, den man im Auge behalten muss. Die Tenniswelt wartet gespannt.
