Sinner am scheideweg: agassi kritisiert leistung – flüssigkeitsmangel?

Paris – Jannik Sinner, der als unangefochtener Weltranglistenerste nach Roland Garros kam, hat in der zweiten Runde überraschend gegen Juan Manuel Cerúndolo den Kürzeren gezogen. Doch nicht nur das Ergebnis selbst sorgt für Gesprächsstoff, sondern auch die Begründung des jungen Italieners für seine Leistung: fehlende Energie. Ein Kommentar, der Tennislegende André Agassi keineswegs überzeugt.

Agassi: "keine entschuldigung" für sinner

Der ehemalige Weltranglistenerste und achtmalige Grand-Slam-Sieger zeigte sich bei Eurosport wenig beeindruckt von Sinners Erklärung. "Es gibt einen Unterschied zwischen fit sein und nicht vorbereitet sein“, betonte Agassi. "Wir reden hier nicht von einem Spieler, der körperlich nicht in der Lage ist, auf höchstem Niveau zu agieren. Wir reden vom aktuell besten Spieler der Welt!" Sinner hatte nach dem Match selbst von einem plötzlichen Energieverlust ab der Mitte des dritten Satzes gesprochen, doch Agassi sieht hier eine klare Verantwortlichkeit des Teams.

Die körperliche Verfassung von Sinner sollte ja zweifellos ausreichen, wie seine bisherigen Erfolge belegen. Ein fünfeinhalb stündiges Finale – das war er in der Vergangenheit durchaus fähig. Dass er nach nur 1:45 Stunden völlig einbricht, wirft Fragen auf. "Da stimmt etwas nicht“, so Agassi.

Ein team im perfektionismus – wo liegt das problem?

Ein team im perfektionismus – wo liegt das problem?

Besonders verwunderlich sei der Einbruch angesichts des ansonsten perfektionistischen Ansatzes des Teams um Sinner. Trainerteams und Ärzte sind stets bestrebt, jede Kleinigkeit zu optimieren. Doch Agassi vermutet eine mögliche Ursache: ein Problem mit der Flüssigkeitszufuhr. "Vielleicht sollten sie eine weitere Person ins Team holen oder eine andere Perspektive einnehmen. Ich glaube, es könnte ein Problem im Zusammenhang mit der Flüssigkeitszufuhr vorliegen.“

Der 56-Jährige erinnert an seine eigenen Erfahrungen bei den Australian Open, die oft unter großer Hitze ausgetragen werden. "Immer, wenn ich in Australien bei großer Hitze ein Best-of-five-Match bestritt, habe ich in den 24 Stunden rund um das Spiel 12 bis 24 Liter Wasser getrunken.“ Ein gewohnter Trick, um die enorme körperliche Belastung zu bewältigen. Sinner hingegen scheint hier möglicherweise ein Problem zu haben.

Die italienische Tennis-Szene blüht indes auch ohne Sinner auf. Spieler wie Cobolli und Arnaldi haben die Chance ihres Lebens. Doch für Sinner gilt es, die Ursachen für sein frühes Ausscheiden zu analysieren und daraus zu lernen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob er sich auf die nächste Saison neu fokussiert und seine körperliche Vorbereitung optimiert. Denn eines ist klar: Auf höchstem Niveau gibt es keine Entschuldigung für mangelnde Vorbereitung.