Sindarov pulverisiert den schach-olymp: carlsens frau fragt sich, ob ihr mann das je geschafft hat
6,5 Punkte nach acht Runden, eine Turnierperformance jenseits von 3100 Elo, zwei Weltklassespieler bereits auf dem Schulbrett: Javokhir Sindarov verwandelt das Kandidatenturnier in Pegia in seine persönliche Schach-Gala. Der 20-jährige Usbeke liegt zwei Zähler vor dem nächsten Verfolger – historisch, unerreicht, irrwitzig.
Blübaum muss heute den goliath stolpern lassen
Matthias Blübaum steht vor der Aufgabe seines Lebens. Sieben Remis, eine Niederlage, kein Sieg – das klingt nach Stabilität, reicht aber nicht mehr. Gegen Sindarov braucht der deutsche Großmeister einen Punkt, um nicht zum Statisten zu verkommen. In der Vorrunde hielt er den Shootingstar auf Remis, doch das war ein anderes Spiel. „Ich kenne seine Eröffnungsideen, ich kenne seine Stärke“, sagt Blübaum schmallippig. „Aber ich kenne auch seine menschlichen Lücken.“
Die hat Sindarov bisher nicht gezeigt. Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura mussten sich geschlagen geben, beide Male lag der Usbeke schon in der Eröffnung eine Tempo vor. Caruana vergaß in der Nachanalyse sogar, dass er Schwarz hatte – so sehr dominierte ihn Sindarov.

Carlsen bewundert, keymer schielt auf revanche
Magnus Carlsen lachte kürzlich in einem Interview: „Meine Frau fragt mich, ob ich so ein Turnier schon mal gespielt habe. Ich sagte: Nein, danke für die Erinnerung!“ Der Norweger führt die Weltrangliste seit Jahren an, strebt aber 2900 Elo vergeblich an. Sindarov spielt derzeit auf 3150-Niveau – eine Zahl, die selbst Carlsen ins Staunen versetzt.
Vincent Keymer, die deutsche Nummer eins, verfolgt das Spektakel mit gemischten Gefühlen. Er verpasste die Qualifikation knapp, gewann aber gerade das Grenke Freestyle Open. „Ich will wissen, wie stark er wirklich ist, wenn der Druck steigt“, sagt Keymer. In der Live-Weltrangliste hat Sindarov ihn bereits überholt – Platz fünf, mit Tendenz nach oben.
Die Formel ist simpel: Gewinnt Sindarov heute, kann er sich auf der Zypern-Promenade einen Freddo genehmigen und trotzdem vorneweg bleiben. Verliert er, erwacht das Feld. Doch selbst Schachprofis wetten intern: Die Partie dauert maximal 35 Züge, dann schlägt der Stern vom Amudarja erneut zu. Blübaum hat nichts zu verlieren – außer vielleicht das letzte Restchen deutscher Hoffnung.
