Sina siegenthaler knallt aufs podest und verpasst olympia-form das aus
Sina Siegenthaler jagt mit Tempo 70 über die letzte Schikane, atmet einmal tief durch – und rauscht als Dritte durchs Zielband von Mont-Sainte-Anne. Ein Aufschrei im Schweizer Camp, ein Faustschlag auf den Lenker. Die 25-Jährige schließt den Weltcup-Winter mit dem zweiten Podest in nur drei Wochen ab und schickt der Konkurrenz eine deutliche Nachricht: Die gute Olympia-Platzierung war kein Zufall.

Charlotte bankes krönt sich, siegenthaler liefert sich den beweis
Die Britin Charlotte Bankes nimmt nach dem Finalsieg auch die Kristallkugel für die Gesamtwertung mit nach Hause. Dahinter landet Chloé Trespeuch auf Rang zwei, doch die Französin schaut im Ziel schon zu den Schweizer Fahnen hoch. Denn Siegenthaler hat sich in den letzten Tagen vom Außenseiter zur Konstanten gemausert. Sechs Einzelpodeste hat sie mittlerweile auf dem Konto, zwei davon innerhalb von nur zwei Wochen – das gab es in ihrer Karriere noch nie.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Vor zwei Wochen in Montafon der erste Weltcupsieg, heute in Kanada erneut Edelmetall. In der Saisonendabrechnung rutscht Siegenthaler auf den sechsten Platz und ist damit beste Schweizerin. Ein kleiner Schritt nach vorn, ein großer in der Psyche. «Ich spüre, dass ich jetzt auch unter Druck liefere», sagt sie im Zielinterview und wirkt dabei erstaunlich entspannt. Vielleicht liegt es daran, dass sie weiß: Ihre Saison ist erst der Anfang.
Der Blick zurück zeigt, wie schnell sich die Verhältnisse verschoben haben. Vor Jahresfrist beendete Siegenthaler den Winter als Fünfte, galt als talentiert, aber unberechenbar. Nun fährt sie mit der Ruhe einer Routinierin – und mit der Aggressivität einer Anfängerin, die nichts zu verlieren hat. Das ist das eigentliche Statement von Mont-Sainte-Anne: Siegenthaler hat sich in die Spitze geschlichen, ohne laut zu trommeln.
Die Saison ist vorbei, der Hype kann kommen. In den Schweizer Skiverbänden wird bereits leise über die nächste Olympiade getuschelt. Denn wer zwei Podeste am Stück holt, macht sich unweigerlich Hoffnungen auf mehr. Und wer weiß – vielleicht ist diesmal nicht Charlotte Bankes die Maß aller Dinge, sondern eine Bernerin mit Startnummer 14 und einem Lächeln, das selbst Schneestürme ertragen lässt.
