Simon eder legt nach 550 rennen auf der schießanlage auf: das ende einer sniper-karriere

Oslo – Der letzte Schuss fiel nicht auf der Matte, sondern auf Instagram. Simon Eder, 43, Salzburger, Nerven aus Stahl, Schalldämpferstimme, kündigt in einer 18-Sekunden-Story das Ende an. „Ich lege die Flinte ins Depot.“ Nach 550 Weltcupstarts, fünf WM-Medaillen und zwei Olympia-Silbern schaltet der treffsicherste Biathlet Österreichs die Sicherung durch.

Der mann, der tiefschnee atmete

Er kam aus Flachgau, wo die Loipen so flach sind wie ein billiges Bier. Kein Hügelzug, der einen Weltcup rettet. Trotzdem nagelte er sich mit 17 Jahren an die Nationalmannschaft, weil er das Ziel auf 50 Meter so schnell fand wie andere den Lichtschalter. Seine frühen Trainer erinnern sich: „Simon hat gelegentlich vergessen zu atmen, wenn er anlegte. Erst beim Treffer kam die Luft.“

Die Zahl, die ihm niemand streiten kann: 91,4 Prozent Trefferquote im Liegendschießen. Das ist keine Statistik, das ist ein Schutzwall. In der Saison 2015/16 verpasste er von 40 Schüssen in der Lage nur drei. Drei. Die Konkurrenten sprachen nicht von Eder, sie sprachen vom „Salzburger Roboter“. Ein Kompliment, das er nie wollte.

Silber statt gold – und trotzdem ein sieg

Silber statt gold – und trotzdem ein sieg

2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi: zweimal Staffel-Silber. Kein Einzelgold, keine Einzel-WM-Krone. Und doch: Wer sich mit Eder unterhielt, merkte schnell, dass er die Medaillen nicht an der Kette trägt, sondern im Kopf. „Gold ist laut, Silber ist ehrlich“, sagte er einmal im Seefeld-Sommercamp. Die Jüngeren hörten lieber ihm zu als den Coaches.

Letzten Winter, 42 Jahre alt, noch einmal Top-Ten in Antholz. Die Sportschau- Kommentatoren sprachen von „Phänomen“, er selbst von „Schulter, die klackert und Knie, das klappert“. Der Körper sandte Mahnungen, der Kopf wollte noch einmal, aber die Familie wartete mit zwei Töchtern, die bereits Papa im Fernsehen suchten und fanden, dass „Papa immer nur im Schnee ist“.

Kein abschied, nur eine schwenkung

Kein abschied, nur eine schwenkung

Nach dem letzten Rennen am Holmenkollen wird er die Ski nicht verbrennen, nur umlackieren. „Trainer? Vielleicht. Schießausbildner? Wahrscheinlicher. Vater? Auf jeden Fall“, sagt er und streicht sich durch den grauen Kinnbart, der einst so rot war wie die Fahne, die er 21 Mal zum Ehrenrundengang trug. Der ÖSV hält ein Angebot bereit, die Flinte liegt schon im Büro: Nachwuchs- Sniper-Camp, drei Tage, 200 Kinder, null Kompromisse.

Die Biathlon-Welt verliert einen Chronisten mit Skistöcken. Wer nächsten Winter in Obertilliach ein Schießtraining beobachtet und einen schmalen Mann mit Zahnschutz und Hut sieht, der den Kindern beibringt, atmen vor dem Drücken: das ist er. Keine Fanfare, nur ein Flüstern im Windkanal der Schießanlage. Simon Eder schaltet auf Sicherung – aber er lädt durch.