Simnica patzt, aue stolpert: 1:0 in regensburg lässt das licht im grubenlauf aus
Das Spiel war 85 Sekunden alt, da hatte Luan Simnica den Ball schon wieder verloren – und mit ihm der FC Erzgebirge Aue jede realistische Chance auf einen Befreiungsschlag in der 3. Liga. Philipp Müller nahm das Geschenk dankbar an, schlenzte das Leder aus 20 Metern ins lange Eck und besiegelte mit dem frühen 1:0-Siegtreffer für Jahn Regensburg die achte Pleite in Serie der Veilchen. Die Rechnung ist so einfach wie brutal: zwölf Punkte Rückstand aufs rettende Ufer, nur noch sechs Spieltage, und das Licht im Schacht wird zur Kerze in einem Sturm.
Interimslösung ohne impuls
Kvicha Shubitidze und Enrico Kern standen erstmals an der Seitenlinie, doch die neue Doppelspitze auf der Bank änderte nichts an der alten Schwäche auf dem Platz. Aue dominierte nach dem Schock zwar die Statistik – 62 % Ballbesitz, 17 Torschüsse, fünf Großchancen –, aber Statistiken gewinnen keine Spiele, Tore tun es. Und die blieben aus, weil Felix Gebhardt im Jahn-Kasten einen Abend erwischte, an dem er selbst stramme Freistoßgeschosse von Julian Guttau noch über die Latte lenkte.
Die Szene des Abends war keine Torjubel, sondern ein Kopfschütteln: Nach 64 Minuten lauerte Erik Weinhauer fünf Meter vor dem Tor, freier als in jeder Trainingseinheit, aber sein Spannschuss prallte unhaltbar – für den Torhüter. Gebhardt streckte sich, parierte mit den Fingerspitzen, und die Veilchen schlugen sich erneut die Hände über dem Kopf zusammen. Es war der Moment, in dem selbst die letzten Optimisten im Auer Block merkten: Heute wird wieder nichts.

Regensburg reicht ein schuss
Der Jahn spielte nach dem Führungstor mit dem Selbstvertrauen eines Teams, das weiß, dass ein Treffer reicht. Trainer Joe Enochs ließ seine Mannschaft tief stehen, störte früh und setzte Nadelstiche. Christian Kühlwetter hätte nach einer Stunde sogar auf 2:0 erhöhen können, doch Martin Männel wehrte mit einem Reflex, der wenigstens die Ehre rettete. Ansonsten: viel Lauf, wenig Lust, denn die Punkte waren längst eingepackt.
Die Zahlen sind für Aue das, was eine Wetterkarte für einen Schiffbrüchigen ist: 32. Spieltag, 26 Punkte, Torverhältnis 29:54. Die Relegationsplätze sind 38 Zähler entfernt, die rettende 15. liegt bei 38 Punkten. Selbst wenn die Veilchen die restlichen sechs Partien gewännen, reichte es wahrscheinlich nicht. Die Luft wird dünner, und mit jedem Atemzug merkt man, wie sehr sie nach 3. Liga riecht.
Am Ende standen die Spieler mit hängenden Schultern da, die Fans sangen trotzdem. „Wir bleiben bei dir“ ertönte es aus dem Gästeblock, aber selbst diese Hymne klang wie ein Abschiedslied. Weil das nächste Spiel schon am Sonntag gegen den MSV Duisburg wartet, bleibt kaum Zeit, die Scharte zu heilen. Und weil Simnicas Fehler nicht seine erste Saison-Patzer war, bleibt auch kaum Hoffnung, dass die nächste Partie anders endet. Das Licht im Schacht flackert – aber es ist noch nicht aus. Noch nicht.
