Simeone zieht selbstkritik statt schiedsrichter-bashing – atlético zerbricht an eigenen fehlern

Die Luft im Estadio Santiago Bernabéu war dünn, nicht nur wegen der Höhe. Diego Simeone sprach leise, fast flüsternd, während um ihn herum die Kameras klickten. „Ich glaube nicht, dass wir wegen des Schiedsrichters verloren haben“, sagte er – und schob damit die ganze Diskussion über Munuera Monteros strittige Pfeiffe beiseite.

Atlético Madrid ging mit 1:2 unter, doch die Zahlen, die wirklich zählen, stehen in der Statistik der letzten beiden Spiele: drei individuelle Schnitzer, zwei davon heute, alle selbstgemacht. José María Giménez, sonst Fels in der Brandung, leitete mit einem verunglückten Klärungsversuch den 2:1-Gegentreffer ein. Vorher hatte ihn Carvajal an Llorente gelegt – kein Pfiff, kein VAR, kein Murren vom Cholo.

Der fehler kommt immer zweimal

Der fehler kommt immer zweimal

Das 3:2 in London war nur deshalb irrelevant, weil das 5:2 aus der ersten Runde noch als Polster diente. Jetzt, mit Barça und Copa-final vor der Brust, gibt es kein Netz mehr. Zwei Viertelfinalpartien gegen einen Gegner, der in dieser Saison schon 70-mal traf, warten. Danach folgt am 18. April die Final-Angstgegner Real Sociedad, die in Anoeta selbst Atlético schon mit 2:0 aus dem Stadion bugsiert haben.

Die interne Lage: Hancko, sonst der stabilste Mann in der Dreierkette, grätschte gegen Bellingham zu spät – Elfmeter, 1:0. Ruggeri spielte den Querschläger direkt in Giménez’ Fuß, 2:1. Kleinigkeiten? Vielleicht. Aber Kleinigkeiten reichen, wenn der Gegner Real Madrid heißt und jede Unachtsamkeit sofort bestraft.

Simeone weiß das. Er schwor das Team auf „die Wochen danach“ ein, nicht auf die Minuten danach. Keine Folgen für den Schiedsrichter, keine社交媒体-Hashtags, nur die nackte Ansage: „Das hier nützt uns für das, was kommt.“

Die Tabelle lügt nicht: Atlético liegt acht Punkte hinter Barça in LaLiga, die Meisterschaft ist Makulatur. Die Champions-League ist das einzige Ziel, das noch Silber glänzen lässt. Drei Fehler in einer Woche – das kann sich kein Team leisten, das gegen Flick’s Offensiv-Maschine bestehen muss.

Am Ende blieb ein Satz im Kabinenflur hängen, nicht von Simeone, sondern von Koke: „Wenn wir so weiterspielen, fliegen wir nicht wegen des Schiris raus, sondern weil wir es uns selbst eingebrockt haben.“ Die Meinung des Kapitäns klingt wie eine Kampfansage – an sich selbst.