Silas bricht sich bein – mainz bangt um zukunft ihres torschützenkönigs

Die Nachricht traf den FSV Mainz 05 wie ein Bock auf die Fußsohle: Silas hat sich Schien- und Wadenbein gebrochen. Der Stürmer, der gerade noch in Olmütz das 1:0 in der Conference League erzielt hatte, liegt seit Montag in der Unimedizin auf dem OP-Tisch. Die Saison ist für ihn gelaufen – vielleicht auch mehr.

Ein schlag ins gesicht der mannschaft

Trainer Bo Henriksen hatte Silas erst vor Wochen zum neuen Hoffnungsträger erkoren. Nun steht er vor einem Loch. „Wir haben gerade erst gelernt, wie man mit ihm Tore schießt“, sagt Kapitän Dominik Kohr nach dem 2:0 in Bremen, wo die Kollegen das Trikot mit der 26 in die Höhe hielten – wie einen Fahnenmast ohne Flagge. Das Bild ging durchs Netz, doch die Botschaft war klar: Wir spielen für den, der nicht laufen kann.

Danny da Costa kennt das Gefühl. 2014 riss ihm der Schienbeinbruch das Kreuzband mit, er fiel 14 Monate aus. „Der erste Blick auf das Röntgenbild ist wie ein Blick in den Abgrund“, erzählt er im Mixed-Zone-Gestühl. „Du zählst Tage, nicht Spiele.“ Damals half Ingolstadt, heute soll Mainz helfen. Der Klub schweigt über Vertragsdetails, doch intern heißt es: Wir verlängern, wenn nötig. Die Parallele zu Elkin Soto zieht sich durch die Kabine. Auch der Kolumbianer bekam 2015 nach seinem Knie-Desaster ein weiteres Jahr, um zu reha’n – und kehrte nie mehr zurück, wurde aber nie vergessen.

Silas’ sturz offenbaut die brutalität des spielplans

Silas’ sturz offenbaut die brutalität des spielplans

Die Verletzung passierte in der 73. Minute von Sigma Olmütz. Ein Schlag auf dem kunstbelagten Trainingsplatz, den niemand filmte. Der Flug nach Deutschland folgte in einer Luftrettungsmaschine, die Mainz organisierte. Der Preis: fünfstellig. Die Frage: Wer zahlt ihn? Die UEFA versichert nur Minimalbeträge, der Klub trägt den Rest. Sportlicher Leiter Christian Heidel schiebt die Zeche auf „medizinische Notwendigkeit“, doch intern mehren sich die Stimmen, dass der englische Wochenrhythmus irgendwann seine Opfer fordert.

Für Silas bedeutet das: Ein Titanen-Plateau wird eingeschraubt, Muskeln werden verödet, die ersten Schritte auf Krücken folgen in sechs Wochen. Die Prognose lautet: 14 Monate Pause. Das reißt Lücken in den Kaderplan. Mainz hatte den Angreifer aus Hannover 96 als Backup für Karim Onisiwo geholt – nun fehlen zwei Optionen. Die Scouts haben bereits eine Liste mit Leihkandidaten, doch die Lizenzperiode endet in drei Tagen. Eine Hauruck-Lösung also, oder eben der Blick auf die U23.

Die tabelle lügt nicht – und die kabine auch nicht

Die tabelle lügt nicht – und die kabine auch nicht

Mit 27 Punkten hat Mainz den Relegationsplatz verlassen. Das 2:0 in Bremen war kein Kunstwerk, aber ein Befreiungsschlag. „Wir haben keine Zeit mehr für Ästhetik“, sagt da Costa. „Wir haben Zeit für Punkte.“ Die Statistik dahinter: Kein einziger Abschluss der Gastgeber innerhalb des Sechzehners nach der 60. Minute. Die xG-Werte: Mainz 1,9 – Bremen 0,4. Die Tabelle lügt nicht, und die Kabine auch nicht. Selbst Hollerbach, der mit der Achillessehne auf der Tribüne sitzt, schickt vor jedem Spiel Sprachnachrichten in die Gruppe. „Wir sind keine Familie, wir sind eine Kompanie“, sagt Onisiwo. „Und Silas ist unser Verwundeter.“

Am Donnerstag geht’s nach Olmütz. Das Rückspiel. Ohne Silas, aber mit seinem Trikot im Koffer. Die Fans haben eine Choreografie angekündigt: 26 Sekunden Schweigen, dann 26 Sekunden Dauerapplaus. Die Zahl bleibt, der Spieler fehlt. Ende März soll Silas wieder laufen, Ende 2025 vielleicht wieder sprinten. Ob er dann noch Mainzer ist, steht in den Sternen – und in den Vertragsakten. Der Klub wird verlängern, das haben die Vorfälle gelehrt. Die Frage ist nur: Wie lange hält man einem zukünftigen Laufkünstler die Treue, wenn die Tabelle keinen Spielraum lässt?

Die Antwort liegt in der Kabine. Dort hängt ein leeres Trikot – und ein voller Kasten Bier für den Tag, an dem Silas wieder hereinschreitet. Kein „wenn“, nur ein „wann“. Die Liga wartet, die Reha auch. Und Mainz 05 wartet mit ihm. Denn manchmal ist ein gebrochenes Bein nur die Pause vor dem nächsten Torjubel.