Sierre schickt la chaux-de-fonds in die mangel – titel und liga-status stehen auf dem spiel
Am Samstag um 19.30 Uhr geht’s los im Wallis – und für die Swiss League könnte danach nichts mehr so sein wie zuvor. Der Qualifikations-Primus HC Sierre empfängt den Final-Gastgeber HC La Chaux-de-Fonds, der nach dem 7-Spiele-Marathon gegen Visp kaum Zeit hatte, die Schutzausrüstung trocken zu bekommen. Ein Duell, das nicht nur den Meister bestimmt, sondern auch klärt, ob es im Sommer ein Aufstiegs-Drama in der National League gibt.
Die Fakten sind so hart wie das Eis, auf dem sie geschrieben wurden: Fünf Saisonduelle, fünf Siege Sierre – Tore 29:14. Chris McSorleys Truppe schickt die Abeilles jedes Mal mit Blaulicht nach Hause. Die Jurassier wissen, dass schon ein früher Rückstand in der Serie die mentale Sperre zum Beton werden lässt. «Wir müssen vergessen, was war», sagte HCC-Verteidiger David Lindquist nach dem 2:7 im Januar. Nur: Verdrängung funktioniert in der Best-of-Seven nicht.
Frische gegen euphorie – wer hat mehr in den tank?
Der HC Sierre beendete das Halbfinale gegen Olten nach fünf Spielen und durfte seit Mittwoch schon die Füße hochlegen. La Chaux-de-Fonds hingegen schlitterte Freitag um 22.47 Uhr erst nach Verlängerung ins Finale – 40 Stunden später geht’s schon wieder um alles. Toms Andersons’ Golden Goal gegen Visp war ein Adrenalinschub, doch Adrenalin lässt nach, die Muskelfasern bleiben müde. In Spiel 3 oder 4 wird sich zeigen, ob die Beine noch mitgehen oder ob Sierre die physische Übermacht ausnützt wie schon in der regulären Saison.
Die Torhüter-Geschichte liest sich wie ein Krimi mit offenem Ende. Viktor Östlund rettete den HCC mit 91,78 % Fangquote im Viertel- und Halbfinale – aber er stand in jedem einzelnen Playoff-Minütchen zwischen den Pfosten. Remo Giovannini durfte sich bei Sierre zwischendurch ausruhen; Backup Thibault Fatton glänzte in vier Einsätzen sogar mit 92,05 %. Wenn die Serie in die Verlängerung geht, könnte genau diese Frische die Scheibe entscheiden.

Breite statt doppelspitze – die tabelle der torschützen lügt nicht
18 Punkte hat das Andersons-Molin-Duo für La Chaux-de-Fonds geholt, danach kommt – mit Lichtjahresabstand – Lindquist mit 12 Zählern. Bei Sierre jagt Samuel Asselin mit 14 Punkten (nur 8 Spiele!) und dahinter eine ganze Meute: Halbgewachs, Fuhrer, Montandon, Bougro – alle zweistellig. Wer einen Kanadier ausknockt, findet sofort den nächsten. Der HCC muss seine Top-Reihe laufen lassen, Sierre kann rotieren bis der Schiedsrichner pfeift.
Und dann ist da noch die Aufstiegs-Keule. Nur der Meister darf im Sommer die NL-Qualifikation bestreiten – und nur der HCC hat das Gesuch bereits eingereicht. Sierre spielt also um den Pokal; La Chaux-de-Fonds spielt um die Zukunft. Dieses „alles-oder-nichts“ verschiebt den Druck auf die Jurassier. Sierre-Präsident Mathias Michel formulierte es so lapidar wie giftig: «Wir haben nichts zu verlieren – sie schon.»
Die Wetterfahnen drehen sich schnell im Wallis. Vor zwei Jahren noch musste Sierre um den Klassenverbleib zittern, heute stehen sie vor dem grössten Triumph der Vereinsgeschichte. Die Abeilles wiederum wollen den dritten Titel in vier Jahren, um endlich den Aufstieg zu wagen. Wenn am Ende einer von beiden den Pokal über den Kopf stemmt, wird es nicht nur um eine Meisterschaft gehen – sondern um die Frage, wer 2027 in der höchsten Liga spielt. Die Prognose lautet: Sierre in sechs Spielen. Danach ist die Schweiz ein Stück anders.
