Siegemund schlägt zurück: deutsches solo in indian wells gegen swetlana
Ein 38. Geburtstag, ein Kniebandriss-Drama und jetzt dies: Laura Siegemund jagt in der Mojave-Wüste ihre ganz persönliche Sensation. Die einzige Deutsche, die beim 9,1-Millionen-Dollar-Turnier noch dabei ist, trifft in Nacht zwei auf die ehemalige Weltnummer drei Swetlana Swetlana.
Der lange weg zurück nach 6:3, 3:6, 6:4
Als Petra Marcinko beim Stand von 4:4 im dritten Satz das rechte Bein massierte, wusste Siegemund: Jetzt oder nie. Der Drop-Shot, der folgte, war kein Schlag, sondern eine Drohung. Die Kroatin rutschte aus, das Publikum im Stadion 2 riss die Arme hoch – und plötzlich war da wieder dieses Grinsen, das die Tennis-Welt seit Melbourne vermisst hatte.
Die Statistik hinter dem Erfolg? Brutal. 38 Winner, 29 unerzwungene Fehler, zwei Matchbälle abgewehrt. Doch die Zahl, die in Siegemunds Kopf schwirrte, war eine andere: 47. So viele Tage waren vergangen, seit sie in Australien ihr letztes Match gewonnen hatte. Seitdem hatte sie mit sich selbst, mit dem Alter, mit dem Gedanken an ein Karriereende gerungen.
Während draußen die Palmen im Wüstenwind flüsterten, saß die Weltranglisten-55. in der Mixed Zone und erzählte, wie sie nachts im Hotelzimmer stundenlang YouTube-Videos alter Matches analysiert hatte. „Ich wollte wieder dieses Gefühl“, sagte sie, „wo der Schläger nichts wiegt und die Beine fliegen.“

Swetlana wartet mit eigener rechnung
Die Ukrainerin, an Position neun gesetzt, hat in Indian Wells etwas zu verlieren. Im vergangenen Jahr schied sie bereits in Runde zwei aus, diesmal peilt sie den vierten Titel auf der Tour an. Ihre Vorhand hat sich seit der Babypause zu einer Waffe entwickelt, die in der Wüste noch schneller wirkt. 182 km/h schoss sie gestern am Aufschlag vorbei – ein Tempo, das selbst Ashleigh Barty in ihren besten Tagen selten erreichte.
Für Siegemund ist es das achte Duell, das dritte in diesem Jahr. Die Bilanz? 2:5. Doch die letzte Begegnung, ein Dreisatz-Krimis in Charleston, endete mit einem 7:5 im dritten. „Sie kennt mein Spiel, ich kenne ihren Blick“, sagt Siegemund trocken. „Manchmal reicht ein einziger Punkt, um eine Karriere wieder in Bewegung zu setzen.“
Die Uhr tickt. In 14 Stunden steht Siegemund wieder auf dem Center Court, wo die Sonne die Hartplatz-Oberfläche auf 42 Grad erhitzt. Die deutsche Tennis-Hoffnung? Ein einzelnes Rädchen in einem Getriebe aus Millionen. Aber manchmal reicht eben eine Metzingerin, um eine ganze Nation wachzurütteln.
