Siegemund dreht match in wüste um – dtb-dämmerung in indian wells
Die Sonne über dem Coachella Valley schien auf ein deutsches Einzel-Quartett, am Ende blieb nur Laura Siegemund übrig. Die 38-Jährige schlug Petra Marcinko 3:6, 6:3, 6:4 und ist damit als letzte deutsche Spielerin in der zweiten Runde des mit 9,3 Millionen Dollar dotierten WTA-1000-Turniers.
Nach dem rückstand fand sie ein neues match
Zum 38. Geburtstag schenkte sich Siegemund den Sieg selbst – wenn auch mit Verspätung. Die Metzingerin startete verhalten, kassierte Satz eins gegen die 19-jährige Kroatin, die mit Vorhand-Longline-Tempobällen auftrumpfte. Doch im zweiten Satz wechselte Siegemund die Taktik: kürzere Ballwechsel, früher Zeitpunkt am Netz, gezielt auf Marcinkos Rückhand. Der Plan ging auf. Die Entscheidung fiel nach 2:18 Stunden mit einem Passierball, der das Stadion zischen ließ.
Die Statistik dahinter: 29 Winner, 33 unerzwungene Fehler – ein Verhältnis, das für Siegemunds Verhältnisse gerade noch in Ordnung geht. Wichtiger war ihre Return-Quote von 48 % im dritten Satz. „Ich habe gespürt, dass sie nachlässt, wenn ich früh Druck mache“, sagte sie hinterher, die Stimme heiser vom Wüstenstaub.

Allein unter palmen – die dtb-flaute hält an
Vor ihrem Match hatten bereits Tatjana Maria und Ella Seidel ihr Aus besiegelt. Eva Lys fehlte komplett – Meniskus. Damit steht Siegemund als letzte Fahne schwarz-rot-gold im 64er-Feld. Die Bilanz seit Melbourne: fünf Erstrunden-Niederlagen, eine Absage, ein Sieg. Die Frage, ob der deutschen Damen nach Angie Kerbers Karriere-Ende die DNA fehlt, bleibt offen.
Nächste Hürde: Elina Svitolina, die auf hartem Belag wieder zu alter Stärkung findet. Die Ukrainerin gewann zuletzt in Austin und hat gegen Siegemund eine 2:0-Bilanz – allerdings beide Matches auf Sand. Ein kleines Detail, das die Metzingerin mit in die Nacht nimmt.
Um 23.10 Uhr Ortszeit verließ Siegemund den Court 3, ein schwarzes Handtuch um den Hals. Die Anlage schließt um Mitternacht, aber sie wollte noch ein paar Bälle schlagen. „Ich bin nicht mehr die Jüngste, aber ich bin noch lange nicht fertig“, sagte sie. Die Wüste hat noch mehr Matches zu bieten – und vielleicht eine weitere Überraschung.
