Shanghai wird zur schicksalsstunde für die formel-e-titelkämpfer

Der Countdown läuft. Mit den beiden E-Prix in Shanghai betritt die Formel E die entscheidende Phase der Saison 12. Wer hier punkten will, muss liefern. Wer patzt, fliegt raus aus dem Titelkampf. Die Megacity am Huangpu-Fluss wird zum Richter über vier Piloten, die noch echte Chancen auf den Weltmeistertitel haben – und über den Rest, der nur noch rechnet.

Die ausgangslage nach dem sanya-chaos

Was in Sanya passierte, gehört zu den seltsamsten Kapiteln dieser Saison. Mitch Evans, Oliver Rowland, Edoardo Mortara und Pascal Wehrlein – die ersten vier der Meisterschaft – kassierten überraschend null Punkte. Dieses Durcheinander wirft die Tabelle durcheinander, ohne Evans' Führung zu gefährden. Der Jaguar-Pilot führt mit 128 Punkten, gefolgt von Rowland (109), Mortara (103) und Wehrlein (101). Vier Fahrer, vier Hersteller, vier unterschiedliche Powertrain-Konzepte. Das ist der Beweis für die enge Balance in dieser Serie.

Dahinter lauern Jake Dennis (94) und Antonio Félix da Costa (92). Sie haben noch mathematische Chancen, brauchen aber mehr als nur Podiumsplätze. Für Nico Müller oder Nick Cassidy gilt: Ein Ausfall bedeutet das Aus. Die Rechnung ist gnadenlos.

Die strecke als wilde karte

Die strecke als wilde karte

Das Shanghai International Circuit öffnet zum dritten Mal seine Tore für die elektrische Rennserie. Die 3,051 Kilometer lange kurze Variante bietet Breite für Überholmanöver und hat bisher vier verschiedene Sieger gesehen: 2024 holten sich Mitch Evans undAntonio Félix da Costa den Triumph, 2025 folgten Max Günther und Nick Cassidy. Keiner wiederholt sich. Das spricht für Offenheit – oder für Chaos.

Diesmal droht Wasser. Meteorologen prognostizieren Regen für die komplette Woche. Das würde das Feld durcheinanderwirbeln, die Reifenwahl zur Lotterie machen und die Attack-Mode-Aktivierung zur Nervensache auf nasser Fahrbahn verwandeln. Wer in Shanghai bei Regen den richtigen Riecher beweist, gewinnt nicht nur Punkte, sondern Prestige.

Pepe martís stunde?

Pepe martís stunde?

Einer, der die Strecke zumindest teilweise im Schlaf kennt, ist Pepe Martí. Der spanische Rookie lieferte in Sanya seine beste Saisonleistung ab – ein zweiter Platz hinter dem überraschenden Sieger. Für Martí ist dies mehr als eine Bestätigung. Es ist ein Signal an das Feld. Er muss nicht mehr lernen, er kann angreifen. Ein Sieg wäre die logische Konsequenz seiner Entwicklung.

Nachtschicht für die fans

Nachtschicht für die fans

Für uns Zuschauer in Europa bedeutet Shanghai wieder einmal schlaflose Nächte. Die freien Trainings starten um 02:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, die Qualifikationen um 04:40 Uhr. Die Rennen selbst laufen um 09:05 Uhr am Samstag- und Sonntagmorgen. Der Kaffee muss stark sein, das Durchhaltevermögen noch stärker.

Die Formel E spielt hier ihre Endphase aus. Nach Shanghai bleiben noch vier Rennen. Wer jetzt nicht mehr dabei ist, verpasst den Zug zur Krone.