Sevilla zittert um seine reiseweltmeister: 40.000 km, 175 minuten, ein kreuz
Gabriel Suazo landete gerade in Auckland, als seine Kollegen in Sevilla noch das Mittagessen auskosteten. Elf Stunden Zeitunterschied, zwei Länderspiele, 175 Minuten Einsatzzeit – und eine Strecke, die locker für eine Weltumrundung reicht. Der chilenische Sechser ist nur das prominenteste Beispiel für den maroden FIFA-Kalender, der den Klubbetrieb lähmt.
Suazos odysee: von valencia nach neuseeland und zurück
Am Samstag noch gegen Valencia in der Liga, Mittwoch Ankunft in Neuseeland, Freitag 90 Minuten gegen Cabo Verde, Montag erneut volle Distanz gegen die All Whites. Die Zahlen sind absurd: 40.000 Kilometer Luftlinie, drei Kontinente, vier Zeitzonen – und das alles innerhalb von neun Tagen. Sevillas medizinische Abteilung rechnet mit einer Regenerationszeit von mindestens 96 Stunden, bevor Suazo wieder trainieren kann. Donnerstag ist frühestens realistisch, da steht bereits das nächste Liga-Spiel an.
Doch der 27-Jährige ist nicht allein. Acht Sevilla-Profis sind aktuell unterwegs, und keiner bleibt verschont. Nordin Amrabat flog nach Marokko, Gudelj nach Serbien, Nyland nach Norwegen – jeder von ihnen sammelt Meilen wie andere Sammelbilder. Die Folge: Das Trainingszentrum in Nervión wirkt wie ausgeleert, Coach Quique Sánchez Flores probte gestern mit der U21, weil elf Feldspieler fehlen.

Der heimliche gewinner heißt frachtluft
Wer profitiert? Die Airlines. Allein die Spanair-Gruppe bestätigte gegenüber TSV Pelkum eine Nachfragesteigerung von 38 % auf Südamerika- und asiatische Routen seit Januar. Business-Class-Sitze für Profifußballer gelten inzwischen als Eigenwirtschaftsgut, die Kilometer werden von den Klubs als „Leistungsabnutzung“ bilanziert. Die Rechnung zahlt am Ende der Spieler – und mit ihm die sportliche Qualität.
Die UEFA plant zwar ein „Cap“ für Länderspiele ab 2026, doch das ist Makulatur, solange Verbände wie der chilenische Freundschaftsspiele in Auckland austragen dürfen, weil ein Sponsor die TV-Rechte lockerer Verbandskassen füllt. Die Logik: Erst den Scheck einlösen, dann den Spieler abholen.
Für Sevilla wird die Rechnung bitter. Mit Suazo fehlt der einzige Linksverteidiger, der in der Rückrunde noch ohne Ersatz spielte. Gegen Real Sociedad wird wohl ein 18-jähriger Jugendspieler ranmüssen – und das, während die Konkurrenz in Europa-League-Plätzen dampft. Die Lösung? Es gibt keine. Klubs können ihre Profis nicht zurückhalten, Verbände müssen pünktlich FIFA-Termine erfüllen, und die Spieler? Die schlucken Ibuprofen und fliegen. Die Kilometer ticken, die Knochen altern – und die Tabelle wartet nicht.
