Sevilla am dem rande des abgrunds: kann das sánchez-pizjuán noch helfen?

Ein Schrei der Verzweiflung hallt im Ramón Sánchez-Pizjuán wider. Der Sevilla FC, einst gefürchtet in Europa, balanciert am Abgrund der Segunda División. Ein katastrophales Saisonverlauf, geprägt von Fehlentscheidungen in der Führungsetage und einer erschreckenden Unfähigkeit, Punkte zu holen, hat den Verein in eine Notsituation manövriert. Das bittere Unentschieden gegen Osasuna in der Nachspielzeit, das durch einen Treffer von Catena in der 99. Minute zunichte gemacht wurde, ist nur der jüngste Tiefpunkt einer enttäuschenden Saison.

Die schuldfrage: ein tanz der verweise

Die schuldfrage: ein tanz der verweise

Die Aufregung nach dem Spiel war allgegenwärtig. Suazo und Luis García Plaza äußerten ihren Unmut über die neun Minuten Nachspielzeit, die der Schiedsrichter Miguel Ángel Ortiz gewährt hatte. “Ich bin wütend, machtlos, viele Dinge. Ich verstehe nicht, warum neun Minuten gegeben werden. Vor einer Woche schon drei!”, so der Trainer, sichtlich frustriert. Doch Beschwerden ändern nichts an der Tatsache, dass Sevilla drei von zwölf Punkten unter García Plaza’s Führung holte – ein erschreckendes Ergebnis, das den Abstiegskampf weiter befeuert.

Die Frage nach der Trainerposition beschäftigt die Fans und Medien gleichermaßen. García Plaza wirkte überrascht, als er in der Pressekonferenz nach seiner möglichen Entlassung gefragt wurde. “Das lässt mich eiskalt. Das wäre totaler Chaos”, entgegnete er. Im Nervioner Verein ist jedoch nichts in Stein gemeißelt, und die Gerüchte über einen Trainerwechsel halten sich hartnäckig. Vielmehr wirft die Situation einen Schatten auf die Arbeit von Sportdirektor Antonio Cordón, der vehement beteuert, er sei nicht für die Zusammenstellung des aktuellen Kaders verantwortlich. “Ich habe diesen Kader nicht zusammengestellt”, erklärte er, und schob die Verantwortung an Cordón ab. Sein eigenes Zukunftsbild bleibt ungewiss, obwohl ihm noch zwei Jahre Vertrag zustehen.

Die Schatten der Vergangenheit: Der Name Monchi, einst eine Legende im sevillanischen Fußball, schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Verein. Seine Expertise und sein strategischer Weitblick werden schmerzlich vermisst, während die aktuellen Verantwortlichen mit den Folgen einer fragwürdigen Transferpolitik zu kämpfen haben. Die Mannschaft, die noch immer auf einen herausragenden Torwart und einige talentierte Nachwuchskräfte bauen kann, weist jedoch deutliche Schwächen in der Abwehr und im Angriff auf. Viele der Neuzugänge konnten ihre Qualität bisher nicht unter Beweis stellen.

Es bleibt Sevilla nur noch ein letztes Auslangen: das Ramón Sánchez-Pizjuán. Die kommenden Heimspiele gegen Real Sociedad und Espanyol sowie das letzte Spiel gegen Real Madrid bieten die letzte Chance auf Rettung. Ein Aufruf zur Einheit geht von allen Seiten aus. Die Anhänger haben eine Waffenruhe ausgerufen, um sich voll und ganz auf den Kampf um den Klassenerhalt zu konzentrieren – ein Kampf, der den Verein an seine glorreichen Zeiten im Jahr 2006 erinnert, als der erste Europa League-Titel gefeiert wurde. Zwanzig Jahre später, mit zahlreichen weiteren Titeln im Vereinssäckel, steht Sevilla vor dem größten Schrecken seiner jüngeren Geschichte. Die Flammen der Gefahr lodern, und der Sevilla FC muss sich entscheiden, ob er sich verbrennen lässt oder im Sánchez-Pizjuán seinen letzten Strohhalm findet.