Serie b explodiert: 37 tore, 9 platzverweise – ein spieltag außer rand und band

Neun Platzverweise, 37 Tore, ein Schiedsrichterchef, der unter Polizeischutz das Stadion verlassen musste. Der 28. Spieltag der Serie B war kein gewöhnlicher Mittwochabend – er war ein kollektiver Kontrollverlust, der in die Geschichtsbücher des italienischen Fußballs eingehen wird.

Ein rekord, der seit 31 jahren nicht gefallen ist

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Neun rote Karten in einer einzigen Runde – das gab es seit August nicht mehr. Der bisherige Saisonrekord von sieben Platzverweisen aus dem zweiten Spieltag wurde locker übertroffen. Und um den historischen Kontext einzuordnen: So viele Ausschlüsse in einem Durchgang gab es zuletzt in der Saison 1994/95, als zehn Rote Karten fielen. Der absolute Rekord liegt bei vierzehn – aufgestellt im fünften Spieltag der Saison 1996/97. Diesen hat der 28. Spieltag nicht geknackt. Aber er ist verdammt nah dran.

Carrarese gegen catanzaro: das chaos auf dem rasen und auf der tribüne

Carrarese gegen catanzaro: das chaos auf dem rasen und auf der tribüne

Das Epizentrum des Abends war der Stadio dei Marmi in Carrara. Carrarese gegen Catanzaro, Endstand 3:3 – doch die Zahl täuscht über das Ausmaß der Ereignisse hinweg. Ein Eigentor pro Seite, ein verschossener Elfmeter von Pontisso, der auf Anweisung von SchiedsrichterDionisi wiederholt wurde – und dann verwandelte Pittarello in der 94. Minute eiskalt zum Ausgleich. Die Entscheidung, den Elfmeter zu wiederholen, brachte die toskanischen Fans zur Weißglut. Ihr Ziel: Gianluca Rocchi, der Schiedsrichterchef des Verbands, der ausgerechnet auf der Tribüne saß. Er musste das Stadion unter Polizeischutz verlassen. Vom Spielfeldrand heraus kassierte auch Abiuso nach vorheriger Verwarnung den Platzverweis – Protest als Selbstzerstörung.

Karic trifft, jubelt und fliegt – alles in 30 sekunden

Karic trifft, jubelt und fliegt – alles in 30 sekunden

Die absurdeste Szene des Abends gehörte Karic von der Virtus Entella. Der schwedische Mittelfeldspieler erzielte das entscheidende 2:1 gegen Modena – und riss sich im Jubel das Trikot vom Leib. Wäre das unter normalen Umständen nur eine Verwarnung gewesen, war es in diesem Fall sein Ende: Er war bereits vorbelastet. Gelb-Rot. Tor, Jubel, Dusche. Alles in einer Szene.

Avellino mit zwei mann weniger – und 0:4 abgefertigt

Avellino mit zwei mann weniger – und 0:4 abgefertigt

Noch dramatischer verlief der Abend für Avellino. In der Partie gegen Venezia sah zunächst Tutino in der 34. Minute nach einem gefährlichen Einsteigen Rot. Kurz vor Abpfiff folgte Le Borgne für ein spätes Foul an Yeboah. Die Mannschaft von Trainer Ballardini spielte die letzten Minuten zu neunt – und kassierte am Ende ein klares 0:4 gegen das Team von Stroppa. Neun Spieler, null Gegenwehr, vier Tore. Manche Abende lassen sich nicht retten.

Weitere platzverweise quer durch die liga

In Palermo gegen Mantova sah Mittelfeldspieler Blin nach VAR-Überprüfung Rot – die Folge war ein Elfmeter für die Gäste. Zuccon kassierte Gelb-Rot nach einem Tritt auf Pohjanpalo. Beim Bari gegen Empoli musste Lovato bereits in der 23. Minute vom Platz, nachdem er den allein auf das Tor zulaufenden Rao zu Fall gebracht hatte. Und Paulo Azzi vom Monza – trotz Torerfolg gegen Cesena – wird das nächste Spiel gegen Spezia wegen Gelb-Rot verpassen.

In Frosinone gegen Pescara brachte der unbedarfte Foulelfmeter von Altare in der 82. Minute die Wende: Calò traf vom Punkt, Raimondo in der 94. Minute zum 2:2-Endstand. Ein Spieltag, der bis in die Nachspielzeit keine Ruhe kannte.

37 Tore, 9 Platzverweise, ein geflohener Verbandsfunktionär. Der 28. Spieltag der Serie B hat gezeigt, was passiert, wenn Druck, Erschöpfung und Tabellenangst gleichzeitig explodieren – auf dem Rasen und daneben.