Sergio longoni ist tot: seine leidenschaft verwandelte den italienischen bergsport
Er machte aus einem Schuhladen ein Imperium und aus Skifahren ein Volkssport – jetzt ist Sergio Longoni mit 83 Jahren gestorben. Die italienische Outdoor-Branche trauert um den Mann, der in den Siebzigern erkannte: Die Berge werden bald Millionen locken.
Von barzanò bis zur alpen-dynastie
Es begann mit einem Holztresen, muffelndem Leder und dem Geruch nach Schuhcreme. Der Elternladen in Barzanò, Provinz Lecco, war keine Kulisse für große Träume. Doch Longoni sah das Skistatistik des lombardischen Wintertourismus 1972, spürte den Boom in den Schweizer Nachbartälern und handelte. 1974 eröffnete er Longoni Sport, zunächst ein Kellerlager mit Verkaufstheke, bald eine Kette mit Filialen zwischen Mailand und Bologna. Ende der Neunziger verkaufte er – und stieg wieder ein. 2002 gründete er DF Sport Specialist, die Initialen seiner Töchter Daniela und Francesca. Ein Neuanfang mit 61, finanziert aus der stillen Überzeugung, dass Fachhandel keine Marke braucht, sondern Kompetenz.
Die Bilanz: 120 Mitarbeitende, Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe, Partnerschaften mit Scarpa, Garmin und Ortovox. Doch die Zahlen interessierten ihn wenig. Wer bei Longoni kaufte, erhielt eine persönliche Route Empfehlung, handschriftlich auf Liftkarten-Papier. „Das Logo war ein Stempel der Zugehörigkeit“, sagt Matteo Bernasconi, Mitglied der legendären Bergsteigergruppe Ragni di Lecco. „Wer Longoni trug, galt als Insider.“

Stille macht statt instagram-pr
Longoni verabscheute Selbstinszenierung. Keine Pressekonferenzen, keine Influencer-Kooperationen. Stattdessen lud er Messner, Moro und Co. in die Kellerbar seines Lagers zu „A tu per tu con i grandi dello sport“. Ein Mikro, ein Projektionsleinwand, 40 Stühle. Die Tickets waren innerhalb von Minuten vergriffen, doch es gibt keine YouTube-Aufzeichnung. „Er wollte lebendige Erinnerung, nicht digitale Ewigkeit“, erzählt seine Tochter Daniela.
Bis zuletzt saß er im Rollstuhl, ließ sich täglich die neuen Tourenberichte vorlesen und telefonierte mit Filialleitern. Als das Bivacco Riva-Girani an der Grigna Settentrionale verfiel, organisierte er per Crowdfunding und Eigenkapital die Sanierung – 42.000 Euro in sechs Wochen. „Er verstand sich als Hüter, nicht als Investor“, sagt Silvana, seine Frau seit 54 Jahren.
Die Beisetzung findet am Samstag, 2. Mai, um 10.30 Uhr in Barzanò statt. Die Glocken der Kirche San Lorenzo werden zweimal schlagen: einmal für den Unternehmer, einmal für den stillen Mann, der nie ohne Pickel und Zigarettenpackung das Haus verließ. Die Ketten „Longoni Sport“ und „DF“ bleiben im Familienbesitz. Sein Erbe: eine Gemeinschaft, die nicht über Follower, sondern über Gipfelbuch-Einträge zählt.
