Seixas-zoff: frankreichs tour-traum wird zum risiko
Paul Seixas jagt Frankreich in Ekstase – und die Tour de France in einen Entscheidungsstress. Noch liegt das Startband in Barcelona, doch die Frage knallt schon jetzt durch die Medienlandschaft: Muss der 20-Jährige wirklich am 4. Juli in die Grande Boucle? Seine Frühform schreit „Ja“, die Stimmen der Experten warnen lautstark „Nein“.
Jens voigt: „das team ist nicht reif für den circus“
Keiner kennt die Maratondistanz der Radsport-Saison besser als Jens Voigt. 20 Grand Tours hat der ehemalige Ausreißkönig in den Beinen, deshalb hört man auf, wenn er warnt: „Er sollte fahren – aber nicht 2025.“ Die Begründung liefert er gleich mit: „Die Jungs haben in der Baskenland-Rundfahrt heldenhaft gekämpft, aber weder Vingegaard noch Pogacar waren mit ihrer A-Elf am Start. Eine Frühjahres-Form zu verlängern ist kein Kindergeburtstag.“
Voigt rechnet vor: Eine Marathon-Distanz verdoppelt nicht einfach die Schmerzen, sie potenziert sie. „Wer auf 3.300 Kilometre hochrast, muss Sponsoren-Termine, Live-Interviews und die Erwartung einer ganzen Nation stemmen. Das frisst Watt, keine Powerbars.“

Die fangemeinde will sofort, der verstand mahnt
In Frankreich glühen die Titelseiten. L’Équipe taufte Seixas bereits zum „neuen Superhelden“, und die TV-Kanäle zählen Klickzahlen, als gäbe es kein Morgen. Doch Voigt erinnert an den Preis des Über-Eilens: „Man kann eine Kuh nicht täglich melken und erwarten, dass sie nächstes Jahr noch größere Klöße liefert. Lass sie weiden, lass sie wachsen.“
Miguel Indurain schaltete sich ebenfalls ein und bat um „calma“. Die spanische Legende kennt die Mechanik der Tour: „Ein Youngster, der dort frühzeitig kapituliert, trägt das Trauma jahrelang mit sich.“

Plan b: etappensieg statt gesamtwertung
Falls Decathlon-AG2R tatsächlich den Start gibt, lautet Voigts Marschrichtung: „Holt eine Etappe, schnappt euch die TV-Zeit – und vergisst das Gelbe Trikot. Wer in Paris top 10 will, muss im Juli schon 50.000 Höhenmeter in den Knochen haben, nicht nur im Strava-Account.“
Die Rechnung geht auf: Ein einzelner Sieg würde die Sponsoren befriedigen, das Mediagedröhn reduzieren und Seixas ein Lehrjahr auf höchstem Niveau bescheren. „Dann kommt 2026 der nächste Schritt, und 2027 steht er ganz oben auf dem Treppchen“, prophezeit Voigt.
Fazit: die uhr tickt, aber sie muss nicht rasen
Frankreich sucht einen Nachfolger für Pogacar, die Wirtschaft sucht das nächste Werbegesicht. Doch der Sport folgt eigenen Gesetzen. Wer zu früh die Kristallkugel poliert, zerspringt selbst. Geben wir Seixas den Luxus der Zeit – dann wird aus dem neuen Superhelden vielleicht wirklich ein Champion.
