Seixas: jahrhunderttalent oder verfrühte tour-ambitionen?

Paul Seixas hat die Radsportwelt im Sturm erobert. Der 19-Jährige demonstrierte bei Lüttich-Bastogne-Lüttich seine außergewöhnliche Klasse und lieferte Tadej Pogacar einen erbitterten Kampf. Doch während die Fans in Frankreich bereits von einem neuen französischen Superstar träumen, mahnt Eurosport-Experte Jens Voigt zur Vorsicht. Ist Seixas bereit für die Tour de France?

Der hype um das 'jahrhundert-talent'

Seixas' Erfolge bei der Baskenland-Rundfahrt, der Flèche Wallonne und insbesondere sein zweiter Platz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich haben den Hype um seine Person befeuert. Er ist der erste Fahrer seit Jahren, der Pogacar ernsthaft herausfordert und ihm über längere Zeit die Stirn bietet. Voigt, ehemaliger Profi und heutiger Experte, sieht in Seixas ein Talent, das man nur alle 20 Jahre sehe – vergleichbar mit Legenden wie Peter Sagan oder Laurent Jalabert. “Er ist besser als alle anderen Pogacar-Verfolger”,stellt Voigt fest.

Die warnung des experten: druck vermeiden

Die warnung des experten: druck vermeiden

Doch Voigt warnt davor, den jungen Franzosen zu überfordern. “Die Versuchung ist groß, mit den Sponsoren, der Öffentlichkeit und der Titelseite der L’Équipe mit der Aufschrift: ‘Paul Seixas, der neue Superheld’”, so Voigt. Aber sie sollten vernünftig sein, sie wollen ja mehrere Jahre an ihm Freude haben.” Er betont, dass Seixas’ Team, Décathlon CMA CGM, noch nicht die nötige Erfahrung und Cleverness besitzt, um im Kampf um das Gelbe Trikot mithalten zu können. Ein Marathon ist ja auch nicht einfach die Verdopplung eines Halbmarathons, sondern wird hintenraus exponentiell schwerer. So ist es auch mit der Tour.

Pogacars vorteil: erfahrung und ein starkes team

Pogacars vorteil: erfahrung und ein starkes team

Obwohl Seixas Pogacar sportlich bereits sehr nahe kommt, sieht Voigt einen entscheidenden Unterschied: Pogacars Reife und das Umfeld, das er genießt. Der Slowene ist ein gestandener Fahrer mit jahrelanger Grand-Tour-Erfahrung, der ein Rennen lesen und zu seinen Gunsten beeinflussen kann. Und er verfügt über ein starkes Team mit unbegrenztem Budget, das ihm in allen Bereichen unterstützt – vom Windkanal bis zum Trainingslager. Décathlon leistet für sein Budget großartige Arbeit, aber kann nicht mit den Ressourcen von Pogacars Team mithalten.

Die empfehlung: etappenjäger, nicht klassement-anwärter

Die empfehlung: etappenjäger, nicht klassement-anwärter

Voigt rät Seixas und seinem Team, einen pragmatischen Ansatz zu wählen: “Ja, er sollte fahren. Und nein, das Team ist dafür noch nicht bereit. Nicht in diesem Jahr.” Er empfiehlt Seixas, die Tour als Etappenjäger zu nutzen, sich zu beobachten und zu lernen, anstatt sofort um das Gelbe Trikot zu kämpfen. “In Frankreich als junger französischer Held – das ist viel zu viel Druck.” Statt die Kuh zu melken, sollte man sie auf der Wiese grasen lassen.

Denn die Radsportwelt hat schon zu oft gesehen, wie junge Talente unter dem enormen Druck zusammenbrechen. Seixas besitzt zweifellos das Potenzial, eines Tages um den Gesamtsieg bei der Tour de France zu kämpfen – aber dieser Zeitpunkt ist noch nicht gekommen. In zwei Jahren wird er ein legitimer Anwärter sein, aber jetzt sollte er sich entwickeln und Erfahrungen sammeln, um in der Zukunft voll durchstarten zu können.