Seidel raus, marcinko wartet: deutsches tennis-duo in indian wells am ende

Ella Seidel schaffte den Sprung in Runde zwei nicht. Die 21-Jährige verlor gegen Anastassija Sacharowa 2:6, 2:6 und folgt Tatjana Maria ins kalifornische Aus. Damit ruht die Hoffnung der deutschen Delegation auf Laura Siegemund, die heute Abend gegen Petra Marcinko antritt – ein Match, das vor allem zweier Fragen bedarf: Wie tief ist der Tank der Routinierin nach dem Einzel-Doppel-Pensum der vergangenen Wochen? Und wie sehr nutzt Marcinko ihre Erfahrung aus der Qualifikation, in der sie bereits zwei Dreisatzkämpfe überstand?

Siegemund muss jetzt liefern – und das gegen eine kroatische qualifikantin mit selbstvertrauen

Siegemund muss jetzt liefern – und das gegen eine kroatische qualifikantin mit selbstvertrauen

Der Verlauf war ernüchternd. Seidel, sonst so robust in den Grundlinienduellen, fand kein Mittel gegen die druckvollen Aufschläge Sacharowas. Jeder zweite Return landete im Netz oder außerhalb der Linien. Die Russin, 2019 noch in den Top 100, spielte das, was man in der Tennis-Szene „altes Handwerk“ nennt: früh auf den Punkt, kein Risiko, stattdessen konsequentes Ausnutzen der Fehler. Die Statistik liefert die nüchterne Sprache: 14 Winner gegen 26 unerzwungene Fehler – ein Verhältnis, das auf dieser Belaggeschwindigkeit nicht reicht.

Lo que nadie cuenta es: Indian Wells ist für deutsche Spielerinnen seit Jahren ein Minenfeld. Maria verpasste wegen einer Adduktoren-Reizung den Start, Lys meldete nach ihrem Charleston-Sieg krank ab. Bleibt Siegemund, die sich mit 36 Jahren auf dem höchsten Preisgeldniveau noch einmal beweisen will. Ihre Bilanz gegen Marcinko? Ein null-Einsatz – die beiden trafen bisher nie auf der Haupttour. Dafür spricht die Tatsache, dass die Kroatin in der Wüstenhitze bereits fünf Sätze gespielt hat und möglicherweise körperlich tiefer steht.

Die Zahl spricht für sich: 8,7 Millionen Dollar Preisgeld – so hoch dotiert ist kein anderes Turnier vor den Grand Slams. Für Siegemund winkt allein mit dem Einzug in Runde drei ein Scheck über 91.000 Dollar, Tendenz steigend. Doch das Geld ist zweitrangig. Nach dem deutschen Damen-Tennis-Desaster der vergangenen zwölf Monate braucht der Verband ein Signal, dass nicht nur die Jungen, sondern auch die Erfahrenen noch zubeißen können. Sonst bleibt beim nächsten Grand Slam wieder nur das Mantra vom „jährlichen Aufbruch“, das sich seit 1999 hören lässt.

Gegen 22 Uhr deutscher Zeit steht Siegemund auf dem Court, die Sonne über Indian Wells taucht die Berge in Kupfer. Es wird ihr 17. Auftritt in der Hauptquali der Wüste – und vielleicht der wichtigste. Denn wenn sie scheitert, schließt sich die Reihe der deutschen Ausfälle. Dann bleibt nur noch die analytische Betrachtung, warum das einstige Damen-Tennis-Machtland beim prestigeträchtigsten 1000er-Turnier der Saison mit leeren Händen dasteht.