Sebastian marburger: vom motorradunfall zum paralympics-medaillenkandidaten

Sebastian Marburger steht vor seiner ersten Paralympics-Teilnahme – und das, obwohl er vor fünf Jahren noch dachte, sein Leben als Sportler sei vorbei. Der 28-jährige Langläufer aus Frankenberg wurde nach einem Motorradunfall amputiert, doch statt aufzugeben, baute er sich ein neues Ziel: den Weltcup-Sieg mit Prothese.

Der trick hinter seiner bestform

Was kaum jemand weiß: Marburger verzichtet vor großen Wettkämpfen bewusst drei bis vier Tage aufs Skitraining. „Ich brauche diese Pause, um mental und körperlich wieder auf Null zu kommen“, sagt er im hr-Interview. Diese Methode half ihm, sich in dieser Saison bis an die Spitze des Klassik-Sprints zu kämpfen – nur eine Lebensmittelvergiftung verhinderte den Gesamtsieg.

Seine Spezialdisziplin, der Sprint, ist ein Zerreißprozess aus Explosivkraft und Präzision. Mit einer Prothese im Schnee zu laufen, bedeutet, jede Bewegung neu zu erlernen. „Es ist nicht einfach, aber es funktioniert ziemlich gut“, sagt er mit typischer Understatement. Dahinter stecken stundenlange Trainingslager, bei denen er seine Technik anpasst, seine Balance findet – und sich an die Kälte gewöhnt, die ihm mittlerweile Spaß macht.

„Ich will einfach nur starten und schauen, was passiert“

„Ich will einfach nur starten und schauen, was passiert“

Die Nervosität vor Mailand-Cortina ist spürbar. „Die Anspannung ist auf einem extrem hohen Niveau“, gibt er zu. Doch Marburger wehrt sich gegen den Druck, als Favorit zu gelten. Für ihn ist die blohe Teilnahme schon ein Sieg über die Umstände. „Ich hatte die Ungewissheit, ob man mit der Prothese überhaupt Langlauf machen kann.“

Sein Antrieb ist nicht der Medaillenzwang, sondern das pure Winterfeeling: „Einfach da im Schnee zu stehen, bei dieser Kälte die Ski unter sich zu haben und sich auspowern zu können.“ Das ist es, was ihn antreibt – nicht der Podestplatz, sondern der Beweis, dass er noch dazugehört.

Am 10. März geht es los. Dann steht er in Cortina am Start – und vielleicht ganz oben auf der Siegerliste. Die Prothese wird nicht sichtbar sein, aber ihre Spuren im Schon. Und das ist mehr als nur eine Medaille wert.