Schweiz schockt kanada: debüt-wm-titel nach 7:5-krimi in calgary
Um 2:47 Uhr Ortszeit flog der letzte Stein, um 2:48 Uhr lag Xenia Schwaller auf dem Eis und weinte. 7:5 gegen Gastgeber Kanada, erstes WM-Start, sofort Gold. Die 24-jährige Skip aus Bern führt das jüngste Team des Turniers an – und das beste.
Die Schweizerinnen hatten vor zwölf Tagen noch keine WM-Erfahrung, nur Silber von Peking mit der Tirinzoni-Formation im Gepäck. Daraus machten sie kein Geheimnis, sondern eine Drohkulisse. In der Gruppenphase zerlegten sie Gegner mit 11:1-Bilanz, im Halbfinale schalteten sie Olympia-Gewinner Schweden aus, Finale gegen Kanada, 8.000 kanadische Fans, keine Chance? Gab’s nicht.

Schwaller schlägt homan – mit dem hammer der ruhe
Im letzten End zog Schwaller den Button-Hammer, legte den Stein millimetergenau auf den T-Knopf und schickte Rachel Homan in die Desperation. Die Kanadierin musste alles riskieren, ihr letzter Take-out rutschte zwei Zentimeter zu weit, 7:5 stand auf der Anzeige, Schweiz jubelt. „Ich kann es nicht fassen“, sagte Schwaller mit zittriger Stimme, „wir haben kaum ein Spiel Probleme bekommen, das ist verrückt.“
Die Statistik lügt nicht: neun Spiele, neun Siege, nur 35 Gegentreffer. Das Quartett Schwaller, Selina Rychiger, Fabienne Rieder und Selina Gafner spielte mit einer Präzision, die selbst die kanadische Eis-Königin Homan ratlos machte. Die Armee roter Fan-Patches im Calgary Saddledome verstummte Sekunden nach dem Abpfiff, dafür heulten rund 200 Schweizer Anhänger „Hopp Schwizer“ in die Nacht.
Bronze ging an Schweden, das Japan mit 8:5 schickte. Für das SVK-Team um skip Anna Hasselborg reichte es damit zum dritten Podest in Serie, doch die goldene Kür gehörte eben den Neuen. Das Schweizer Curling-Festival geht weiter: in zwei Wochen startet in Genf die Europameisterschaft, dort will Schwaller nachlegen. Die Konkurrenz warnt schon jetzt: diese Frauen haben offenbar kein Anfängerglück, sondern eine Endlauf-Maschine geerbt.
