Schweinsteiger: dfb-team weit vom wm-favoritenkreis entfernt
Die Fußball-Welt blickt gespannt auf die anstehende WM in Nordamerika, doch Bastian Schweinsteiger, ARD-Experte und Weltmeister von 2014, mahnt zur Realität: Die deutsche Nationalmannschaft gehört keineswegs zu den Top-Favoriten. Ein Blick zurück auf die enttäuschenden Leistungen der letzten Turniere und die aktuelle Formkurve lassen Schweinsteiger zu dieser skeptischen Einschätzung kommen.
Die schatten der vergangenheit: wm-enttäuschungen 2018 und 2022
Die Erinnerungen an das frühe Aus bei der WM 2018 in Russland und das erneute Vorrunden-Debakel 2022 in Katar sind noch frisch. Schweinsteiger, der selbst im Finale von Rio de Janeiro bis zum letzten Atemzug kämpfte und den WM-Pokal in den Himmel hielt, weiß, wie sehr die Mannschaft seither nach ihrer Form sucht. „Wenn man es öfter sehen würde, dass wir 95 Minuten auf hohem Niveau spielen, dann gehören wir dazu“, so der ehemalige Weltmeister.
Doch die Realität sieht derzeit anders aus. Das Halbfinale wäre für das DFB-Team nach den jüngsten Misserfolgen eine Überraschung, ein Ziel, das Schweinsteiger als „einen langen Weg“ bezeichnet. Philipp Lahm, Schweinsteigers langjähriger Mitspieler, sieht das etwas positiver und hat das Halbfinale als Ziel ausgegeben. Der Weg dorthin beginnt am 14. Juni gegen Curacao.

Nagelsmann unter druck: experimente und kritik
Bundestrainer Julian Nagelsmann steht zunehmend in der Kritik, insbesondere wegen seiner häufig wechselnden Aufstellungen und der Behandlung von Spielern wie Deniz Undav. Auch Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß ließ seine Unzufriedenheit laut werden. Schweinsteiger analysiert: „Er sucht noch nach der idealen Aufstellung. Er ist sehr strikt, sehr geradeaus. Ein paar Mal hat er sich dann wieder gefangen und wieder anders dargestellt. Da kann er ein bisschen ruhiger und gelassener mit umgehen.“
Die Stabilität und Kontinuität, die großen Trainer auszeichnen, scheinen Nagelsmann im Moment zu fehlen. Es bleibt abzuwarten, ob er in der kurzen Zeit bis zum Turnierbeginn noch die richtige Balance findet und die Mannschaft in eine erfolgreiche Spur lenken kann. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Deutschland tatsächlich eine Basis hat, auf der Julian Nagelsmann aufbauen kann, um die Stimmung, den Ehrgeiz, die Motivation, den Biss, den Willen und die Widerstandsfähigkeit wieder zu entfachen.
Die WM in den USA, Kanada und Mexiko wird eine Standortbestimmung für das deutsche Team. Ob die Mannschaft den Ansprüchen gerecht wird und wieder um den Titel mitspielen kann, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Der Weg zum WM-Pokal ist lang und steinig, und die Konkurrenz ist stark.
