Schweinfurts spätes feuerwerk: jones' schnüdel schlagen stuttgart ii 3:1

Die Arena war noch nach, als Johannes Geis den Ball schon über die Linie drückte. 87. Minute, 2:1, und plötzlich schien der Rasen im Willy-Sachs-Stadion zu beben. Drei Minuten später war Manuel Wintzheimer zur Stelle – 3:1, Entscheidung. Der 1. FC Schweinfurt 05 dreht einen Spieltag, der vor der Pause wie ein Klassiker der dritten Liga aussah, in einen Klassiker der Moral.

Was Jermaine Jones seiner Mannschaft in der Kabine erzählte, bleibt zwischen den Wänden. Fakt ist: Nach 45 Minuten ohne Treffer schlug Schweinfurt zweimal innerhalb von 180 Sekunden zu und feiert damit den zweiten Sieg unter dem ehemaligen US-Nationalspieler. Die Schnüdel steigen vorläufig auf Platz 15, zwei Punkte Luft zum Strich.

Torschützen celebi, geis und wintzheimer liegen im soll

Der erste Durchgang war ein Schachspiel mit verbissenem Gesicht. Stuttgart II hatte mehr Ballbesitz, doch Schweinfurt presste früher. Die beste Szene vor dem Seitenwechsel gehörte den Gästen: Christopher Olivier köpfte eine Flanke aus dem Halbfeld, doch Toni Stahl warf sich dazwischen, Schiedsrichter Luca Jürgensen erkannte zudem ein Offensivfoul. Pius Krätschmer testete Stefan Drljača aus 18 Metern – mehr Druck ging nicht.

Nach Wiederanpfiff wechselte die Farbe der Führung. Eine Ecke von links verlängerte Krätschmer per Kopf an den zweiten Pfosten, wo Ekin Celebi volley abzog – 1:0. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Noah Darvich nahm einen abgewehrten Ball am Strafraumrand mit, legte sich die Kugel zurecht und schlenzte sie in den linken Winkel – 1:1, Ausgleich der Stuttgarter U-23.

Die Partie plätscherte, die Wechsel rissen Löcher. Dann, 86. Minute: Handelfmeter-Debatte, Schiri entscheidet auf Freistoß. Johannes Geis stellt sich zehn Meter vor den Ball, zirkelt ihn über die Mauer, unter die Latte, neben den Pfosten – keine Chance für Drljača. Zwei Minuten später kontert Schweinfurt, Wintzheimer trifft ins leere Tor. Die Tribüne kocht, Stuttgart II bleibt auf Platz 10.

Jones

Jones' bilanz: zwei spiele, sechs punkte, ein pulsschlag

Die Zahlen sprechen für den neuen Coach: Seit Jones das Zepter übernahm, holten die Unterfranken zweimal dreifach. Die Tordifferenz in diesem Zeitraum: 5:2. Noch wichtiger: Die Mannschaft findet spät, aber verdammt effektiv zurück in die Erfolgsspur. „Wir haben gezeigt, dass wir auch unter Druck Lösungen finden“, sagte Jones nach Abpfiff. „Die Jungs glauben an sich, das ist der erste Schritt.“

Für Stuttgart II bleibt die Erkenntnis, dass Chancenverwertung keine Altersfrage ist. Die Jungen Wilden spielten mutig, doch die späten Nackenschläge saßen tief. Trainer Frank Fröhling war trotzdem stolz: „Wir haben Fußball gespielt, der Zukunft hat. Heute war das Ergebnis hart, nicht das Spiel.“

Schweinfurt reist nun zum FC Ingolstadt, Stuttgart II empfängt den TSV 1860. Wenn die dritte Liga so weitermacht, braucht niemand die Play-offs, um Spannung zu erleben. Die Schnüdel haben ihre eigene Definition von Abstiegskampf: zuerst kämpfen, dann jubeln – und zwar bis zur letzten Sekunde.