Schweinfurt patzt in der nachspielzeit: jones' siegfluch hält an
Zwei Minuten trennten den 1. FC Schweinfurt 05 von seinem ersten Erfolgserlebnis unter Jermaine Jones. Dann riss die Welt für die Schnüdel erneut in sich zusammen. Das 2:2 gegen den 1. FC Saarbrücken schmeckt wie eine Niederlage – und versenkt die Unterfranken noch tiefer im Tabellenkeller.
Shuranovs doppelpack reicht nicht
Erik Shuranov hatte alles richtig gemacht. Der Stürmer nagelte den Ball aus 20 Metern zum 2:0 unter die Latte (43.), nachdem er zuvor schon die Führung erzwungen hatte (30.). Doch seine Kunstwerke verpufften in der Luft, weil hinten keiner den Stecker zog. Die Defensive schaltete auf Sparflamme, statt den Sack zuzumachen.
Die Zahlen sind gnadenlos: 13 Punkte fehlen auf den Relegationsplatz, nur noch neun Spieltage bleiben. Die Statistik zeigt, dass kein Drittligist seit 2013 mit einem derartigen Rückstand noch den Klassenerhalt geschafft hat. Die Luft wird dünner, die Stimmung im Stadion kippte nach dem Abpfiff in blankes Frustgeschrei.

Jones steht mit dem rücken zur wand
Jermaine Jones wählte nach dem Spiel die Flucht nach vorne: „Wir haben 88 Minuten dominiert, aber der Fußball zählt nur Tore bis 90.“ Die Worte klingen selbstbewusst, doch seine Körpersprache verriet tiefe Ratlosigkeit. Der ehemalige US-Nationalspieler wankt auf der Trainerbank wie ein Boxer, der jeden weiteren Treffer k. o. gehen kann.
Intern brodelt es bereits. Spieler zirkulieren durch die Mixed-Zone mit gesenktem Blick, einige Profis murmeln von „zu viel Videoanalyse, zu wenig Spielfreude“. Die Kabine ist laut Insidern gespalten: eine Fraktion um Kapitän Geis setzt auf strukturiertes Kurzpassspiel, die andere um Shuranov will direkter nach vorne spielen. Die Unruhe schwappt auf die Tribüne, wo Pfiffe die Lautsprecherdurchsagen übertönen.
Am Freitag gastiert Schweinfurt bei Aufstiegskandidat Dynamo Dresden. Dort wartet ein Betzenberg-ähnlicher Kessel, in dem die Schnüdel zuletzt 2018 gewannen. Sollte auch dort keine Wende gelingen, droht der vorzeitige Abstieg – und die zweite Trainerentlassung innerhalb eines Jahres. Für Jones beginnt der Endspiel-Modus, bevor die Saison überhaupt Frühling wird.
