Schuster vor bayern-kracher: das kribbeln ist zurück

Julian Schuster steht in der Pressekonferenz, zieht die Luft durch die Nase wie ein Boxer vor dem Gong. „Wenn ich morgens aufstehe, muss es kribbeln“, sagt der SC-Freiburg-Trainer – und meint nicht das kalte Bad, sondern den FC Bayern, der am Samstag in die Schwarzwald-Stadt rollt.

Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache: Freiburg ist neben den Münchnern der einzige Bundesligist, der noch in drei Wettbewerben lebt. Europa-League-Viertelfinale gegen Celta Vigo, DFB-Pokal-Halbfinale in Stuttgart – und jetzt der Liga-Gigant. Sechs Spiele in 21 Tagen, dazu die Rückkehr der Nationalspieler ohne neuen Muskelriss. Das ist keine Belastungsprobe, das ist ein Sechser im Lotto.

Warum freiburg diesmal länger vorne stehen könnte

Schuster erinnert sich an München: 2:0-Führung nach 24 Minuten, dann der Kollaps zum 2:6. Er nannte es „Lehrgeld“. Die Lektion: „Man muss in Möglichkeiten denken“, sagt er und lässt die Worte wirken, als stünde da ein taktisches Blatt in seiner Brusttasche, auf dem steht: Pressing auf Musiala, Olise mit doppelter Deckung, Kane körperlich früh fordern.

Der Coach schiebt den Chip der Unbesiegbarkeit bewusst weg. Harry Kane? „Aura und Persönlichkeit“, sagt er, aber auch: „Ich habe mich oft gefreut, wenn der Gegner einen Star fehlte – und dann waren andere da.“ Musiala, Gnabry, Sané. Das klingt nach Respekt, ist aber pure Psychologie: Druck weg vom eigenen Kader, hin zu den Bayern, die ja ohnehin jede Woche erwartungsvoll starten.

Der april-plan: pokal, liga, europa – reihenfolge egal

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Max Rosenfelder fehlt mit Oberschenkelproblemen, sonst ist der Kader komplett. Das ist kein Nebenschauplatz, sondern Freiburgs größter Trumpf. Während Bayern nach Madrid-Druck und Länderspiel-Marathon rotiert, kann Schuster nahezu unverändert antreten. Die Europa-League-Reise nach Vigo findet mit dem Rückenwind eines möglichen Bayern-Siegs statt – oder als Ventil nach einer Niederlage.

Schuster spricht vom „Energy-Boost“, den der Kalender liefert. Kein Trainer redet von Pokal-Finale oder Champions-League-Träumen. Aber die Rechnung ist simpel: Schlägt Freiburg Bayern, rückt die Sensation ins Reich des Möglichen. Dann wäre das Kribbeln nicht nur morgens, sondern 90 Minuten lang im Europapark-Stadion spürbar – und vielleicht sogar bis Mai.

Am Samstag zählt nur eins: Das erste Duell der drei Wochen, die alles entscheiden könnten. Schuster hat seinen Spielern die Devise mitgegeben: „Wenn es nicht kribbelt, bleibt das Bett die bessere Alternative.“ Keiner wird liegen bleiben.