Schnee in zenica zwingt italien zum planwechsel – gattuso bleibt in florenz
Der Zenica-Flughafen bleibt heute leer. Statt um 14.30 Uhr startend, sitzt die Squadra Azzurra noch in Coverciano, tritt die Reise nach Bosnien erst am Montag an – und das, weil ein Delegierter der FIGC gestern Abend das Grauen mit eigenen Augen sah: 30 Zentimeter Neuschnee auf dem Bilino-Polje-Rasen, dazu Regenprognosen, die den Platz in einen Morast verwandeln werden.

Gattuso nimmt kein risiko – und verzichtet auf abschlusstraining im stadion
Die Entscheidung fiel um 21.34 Uhr, kurz nachdem der Wetterdienst Sarajevo für Samstagnachmittag weitere fünf Liter Regen pro Quadratmeter ankündigte. Gattuso zog Konsequenzen: Kein Feinschliff im feindlichen Kasten, stattdessen letzte Taktik-Checks auf dem eigenen Trainingsplatz, dessen Rasen nach einer Woche Sonne perfekt steht. Der Charter fliegt nun Montag 16.30 Uhr von Florenz, Landung in Zenica 19.00 Uhr – knapp 24 Stunden vor dem Anpfiff.
Die Nebelwand über Zenica ist ein Vorbote jener Atmosphäre, die die Italiener erwartet: 15.000 bosnische Ultras, kein Platz für Rücksichtnahme. Doch der Wetterchaos kommt Alajbegovic, Kapitän der Drina-Elf, gerade recht. „Wir laufen auch mit Krämpfen“, sagte er gestern dem Radiosender RSG, „ein schwerer Rasen verlangsamt Europas Spitzenmannschaften.“
Die FIGC-Ingenieure prüften Drainage und Rasenheizung – vergeblich. Der Platz erreicht kaum fünf Grad, die Heizschläuche liegen unter einer Eisschicht. Für Gattuso zählt nur Prävention: Verletzungen wie im Oktober in Leverkusen, als Zaniolo auf nassem Geläuf umknickte, will niemand riskieren.
Einziger Vorteil des Aufschubs: Die Medienrunde entfällt heute, stattdessen nutzt der Trainer die Stunden für eine interne Videoanalyse. 47 Minuten hat er den Bosniern zugeordnet, darunter 18 Standardsituationen, bei denen Dzeko und Miralem Pjanic die Lücke zwischen Innenverteidigung und Sechser suchen.
Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten acht Länderspielen unter schwerem Geläuf kassierte Italien nur ein Gegentor – jenes in Palermo gegen Nordmazedonien. Doch das war ein WM-Playoff, das Erinnerungen an Tränen und verpasste Katar-Tickets weckt. Diesmal geht es um nichts weniger als den Sprung auf Platz zwei der Quali-Gruppe.
Am Montag um 19.00 Uhr betreten die Azzurri einen leeren, aber schweren Rasen. Die Kugel wird hopsen, der Sprint von Chiesa wird stocken, und Gattuso wird auf der Bank sitzen – mit dem Wissen, dass er dem Wetter zuvorgekommen ist. Denn wer in Zenica den Sturm vorhersieht, der gewinnt schon vor dem ersten Pfiff.
