Schneck wirft bundesliga hin und jagt stuttgart zurück in die erste liga
Nico Schneck ist weg. Sofort. Kein Abschiedsspiel, kein „danke für alles“, einfach weg aus Freiburg. Der 38-Jährige verlässt den SC Freiburg mitten in der laufenden Frauen-Bundesliga-Saison, um beim VfB Stuttgart den Aufstieg zu erzwingen. Zweieinhalb Jahre nach dem Duisburger Miracle soll er das zweite Mal einen Traditionsklub aus der zweiten Reihe nach oben bugsieren.
Warum jetzt? weil stuttgart panikattacken hat
Heiko Gerber flog am Dienstag, obwohl seine Mannschaft Tabellenzweiter ist. Die Bosse glauben nicht mehr, dass Gerber die Kurve kriegt, wenn es eng wird. Also holen sie sich einen, der schon mal den Druck der letzten Spieltage überstanden hat: 2022 schoss Schneck den MSV Duisburg mit zwei Siegen am letzten Wochenende nach oben. Seitdem gilt er in internen Scoutsheets als „Promotion-Coach“. Die Stuttgarter Verantwortlichen buchen dieses Etikett – und die Tatsache, dass Schneck in Freiburg schon mal eine komplette Hinrunde als Interimstrainer überstanden hat, als Theresa Merk in den Mutterschutz ging.
Das Timing ist brutal. Freiburg bereitet sich auf das Topspiel gegen Bayern vor, plötzlich fehlt der Mann, der die Trainingsabläufe kennt, die Gegnervideos schnitt und die Standards verantwortete. Birgit Bauer-Schick, Bereichsleiterin Frauen- und Mädchenfußball, klingt in der offiziellen Mitteilung so kühl, als hätte man eben einen Leihvertrag abgelehnt: „Diesem Wunsch sind wir gefolgt.“ Kein „schade“, kein „bitte bleib“. Einfach: abgehakt.

Der neue co sitzt schon im bus
Während Stuttgart Schneck mit Blumengesteck empfängt, räumen die Freiburger durch. Sandrino Braun-Schumacher, bisher Verbindungstrainer zwischen U-20 und Bundesligakader, rutscht sofort auf den Co-Platz. Er kennt die Mädchen, er kennt die Systeme, er kennt Edmond Kapllanis Vorlieben für raute- und dreierkette-hybrid. Die Mannschaft bekommt heute beim Video-Meeting die Personalie serviert – und morgen schon Potsdam-Scouting auf dem Plan. Keine Trauerpause, kein Tag zur Selbstfindung.
Für Schneck beginnt die Realität schon am Sonntag, 14.30 Uhr, in Potsdam. Sein neuer Kader: Tabellenzweiter, 32 Punkte, drei Zähler Rückstand auf Hamburg, aber nur zwei Punkte Vorsprung auf Kiel. Die letzten sechs Spiele entscheiden über Millionen aus TV-Pool und Sponsoring. Stuttgart will zurück in die erste Liga, bevor die neue Rekord-Kontraktstaffel 2025/26 startet. Schneck bekommt ein Team, das in dieser Saison bereits 47 Tore schoss, aber auch 25 kassierte – zu viel für Aufstiegsansprüche. Seine erste Aufgabe: die Abwehr stabilisieren, ohne die Offensive zu bremsen.
Die Quittung für den Wechsel kommt sofort. In Freiburg nennen einige Fans den Abgang „Saftladen-Move“, weil der Verein zwar für Nachwuchs wirbt, aber nicht halten kann, wer Verantwortung übernahm. In Stuttgart feiert man dagegen „den Mann, der Duisburg entführt hat“. Schneck selbst schreibt in der Pressemitteilung von „Freude und Demut“. Was er nicht schreibt: dass er jetzt zwölf Wochen hat, um seinen Marktwert erneut zu treiben – oder für immer als Zweitliga-Coach zu gelten.
Die Bundesliga verliert einen Assistenten, die 2. Liga gewinnt einen Aufstiegsjäger. Für Schneck ist es die dritte Station innerhalb drei Jahre, für Stuttgart die letzte Patrone im Revolver. Wenn es klappt, steigt er als Held ab. Wenn nicht, war es nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Die Zeit beginnt jetzt – und sie endet am 18. Mai mit dem Schlusspfiff in Kiel.
