Scheiblehner fliegt raus, will zurück – aber nur, wenn die zeit reif ist
Gerald Scheiblehner trägt noch die Staubwolke seines GC-Desasters mit sich, doch schon kreist der Blick nach vorne. Sky Sport Austria holte den 44-Jährigen ins Studio – und dort fiel das Wort, das in Oberösterreich sofort Wellen schlägt: Blau-Weiss Linz. Der Klub, dem er vor zweieinhalb Jahren den Aufstieg schenkte, liegt ihm offenbar noch immer unter der Haut.
„Ja, mit sicherheit – aber nicht jetzt“
Die Formel klingt wie ein Seitenhieb auf die Eile, mit der Zürich ihn nach der 0:5-Klatsche in Thun wegschickte. Scheiblehner lächelt, zuckt aber sofort die Schultern: „Die Zeit passt jetzt gar nicht.“ Er wischt nicht einfach ab, er schützt sich. Denn er weiß: In Linz läuft gerade ein heißer Film, der keinen zweiten Plot braucht. Michael Stegner hat die Mannschaft auf Kurs Play-offs geschraubt, die Stimmung ist hoch, der Tabellendritte fest im Sattel. Ein Interimscoach mit Zukunft – da will sich keiner die Finger verbrennen.
Trotzdem nagt die Sehnsucht. Scheiblehner schwärmt von „einer sehr schönen Zeit“, von der „Identifikation mit der Region“, von Fans, die ihn damals nach dem Training mit Käsebroten und Most versorgten. Die Bilder sitzen tief. Und sie wirken, als hätte er den Abschied nie ganz verwunden.

Gc hinterlässt ein offenes wundmaul
Die Zahlen sind brutal: 16 Punkte aus 18 Spielen, 42 Gegentore, ein 0:4 nach 18 Minuten in Genf – so schnell lag noch nie ein Super-League-Team auf dem Nullpunkt. Der einstige Aufsteigertrainer mutierte in Zürich zum Notnagel, der nicht halten wollte. Interne Quellen berichten von Trainingseinheiten, die zu lange dauerten, von Sprachlosigkeit im Umfeld, von Stars, die sich nicht mehr rannten. Die Limmatstädter rudern jetzt mit Carlos Bernegger und einem Rettungsplan, der an Weihnachten vorbei läuft.
Scheiblehner selbst spricht nur in Umrissen. „Wir haben vieles falsch gemacht“, sagt er, „aber nicht alles.“ Der Satz klingt nach Reue und Abwehr zugleich. Er will nicht der Buhmann sein, will auch nicht als Heilsverkäufer zurück. Er will Zeit – und offenbar die zweite Chance in einem Ort, der ihn einmal verstand.

Linz plant länger als den mai
Intern signalisiieren die Oberösterreicher Gelassenheit. Stegner bekommt Rückendeckung bis Saisonende, der Klub haushaltet mit Optionen. Doch die Szene hat ein Gedächtnis. Wenn der aktuelle Lauf stockt, wenn die Play-off-Tür ins Schloss fällt, wird der Name Scheiblehner wieder lauter. Dann zählt kein „aber nicht jetzt“, sondern nur: Passt er noch?
Der Österreicher selbst trainiert derweil solo, beobachtet Spiele, schreibt Analysen. Er will bereit sein. Denn er weiß: In der zweiten Liga droht keine Trägheit, nur die kalte Dusche des Vergessens. Und die kommt schneller als ein Elfmeter im Nachschuss.
Für Blau-Weiss ist die Rechnung simpel: Wenn sie aufsteigen wollen, brauchen sie Stabilität. Wenn sie fallen, brauchen sie einen, der sie wieder aufrichtet. Scheiblehner hat beides schon mal geschafft. Die Frage ist nicht, ob er will – sondern, ob sie ihn noch brauchen, wenn er endlich darf. Die Antwort steht offen, aber sie wird lauter werden. Spätestens wenn die Tage kürzer und die Tabelle lügen lernt.
